Die Buchhändlerin geht erst einmal auf Reisen – Teil2
Dank Ken Follett nicht nur Steine – Stonehenge. Die Reise ohne Plan hatte genau zwei Aufträge. Besuch ein Wikingergrab und guck dir Steine an für mich! Ich interessiere mich weder für das eine noch für das andere. Super.
Für Freunde mache ich das natürlich. Ich wäre nicht ich, wenn ich das nicht auch ernst nehmen würde. Was sind die berühmtesten Steine in England? Natürlich Stonehenge. Wie passend. Der Herr Follett hatte genau zu dem Thema gerade einen neuen Roman veröffentlicht. 672 Seiten über Steine. Ich kann mich ja zu viel zwingen aber das? Alles beginnt am Anfang, also tapfer losgelesen. Auf der Reise dann Wechsel zum Hörbuch. Zum Glück ein professioneller Sprecher (Julian Horeyseck) und zack war ich mittendrin. Es ist jedes Mal wie ein Eintauchen in eine andere Welt. Die Geschichten saugen mich ein und spucken mich erst wieder aus, wenn ich alles miterlebt und mitgelitten habe.
Bei meiner Ankunft in Amesbury, der Ort wo Stonehenge steht, hatte ich erst zwei Drittel gehört. Bis zu diesem Zeitpunkt des Buches war der Steinkreis noch aus Holz errichtet gewesen und schon zum zweiten Mal abgebrannt worden. Die Idee eines Steinkreises war zwar schon im Gespräch aber technisch nicht realisierbar gewesen und doch stand ich nun vor diesem riesigen Monument und hatte auf sehr vielen Seiten erfahren, warum es nicht möglich ist, so riesige Steine dorthin zu transportieren. Allein dem festen Glauben und Willen einer Frau ist es zu verdanken, dass das Unmögliche möglich wurde. Nun ist Ken Folletts Buch „Stonehenge – die Kathedrale der Zeit“ eine Fiktion, jedoch könnte es so gewesen sein.

Wie bereits erwähnt, bin ich kein Historienfan und mir fehlt daher auch jede Menge Fachwissen auf dem Gebiet aber als ich mich zum Sonnenuntergang mit Snoopy in etwas Entfernung hingesetzt habe und die Situation auf mich wirken lassen habe, konnte ich die Priesterinnen tanzen sehen aber auch das Leid dieser Zeit spüren.
Worum geht es?
Die Geschichte spielt vor 4500 Jahren. Das allein ist schon schwer vorstellbar. Um den Fluss Avon herum leben verschiedene Gruppen. Die Hirten, die ein leichtes Leben haben und untereinander keine Hierarchien aufbauen, die Bauern, die ein arbeitsreiches, schweres Leben führen müssen und nach und nach zur Diktatur werden, das Waldvolk, dass ein friedliches Dasein im Einklang mit den Jahreszeiten führt und vereinzelte kleinere Gemeinschaften, wie die Feuersteinhauer. Dann gibt es noch die Priesterinnen, die von den Hirten ernährt werden. Das Monument dient ihnen als Kalender. Zur Sommersonnenwende kommen alle Gruppen zusammen und feiern den Beginn des neuen Jahres. Dabei führen die Priesterinnen ihre Tänze um das Monument auf. Es wird gehandelt, gefeiert und Sex spielt wohl auch eine entscheidende Rolle dabei.
Klingt alles sehr friedlich, wenn da nicht die alten weißen Männer wären. Besonders die Intrigen dieser Herren sind oft kaum auszuhalten. So kommt es zu sehr viel Gewalt, Unterdrückung, Kriegen, persönlichen Verlusten und Verzweiflung.  Ich möchte nicht verschweigen, dass das Buch stellenweise wirklich Längen hat, die nicht so spannend sind und die ständigen sehr langen Sexszenen hätte ich auch nicht gebraucht. Wie denn nun aber die Steine dorthin transportiert wurden, wollte ich dann aber doch wissen. Durchhalten bis zum Schluss.
Danke an Ken Follett für diese Idee der Entstehung des Steinkreises. Und danke an den Auftraggeber. Ich hätte was verpasst, sowohl das Buch als auch den Ort. Ich habe in einiger Entfernung geparkt und hatte so auf dem Rückweg noch die Freude zwischen den dort lebenden Hippies mit ihren Wohnwagen entlangzuschlendern. Zum Sonnenuntergang versammelten sie sich gerade mit ihren Trommeln um ein Feuer und legten los mit ihren rhythmischen Melodien. Kann man sich nicht besser ausdenken. Hätte mich der verrückte englische Nebel morgens nicht aufgehalten, wäre ich schon mittags dagewesen. Dann wäre mir das abendliche Spektakel entgangen. Danke Karma!
Buchbesprechung: John Irving, Königin Esther
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Verfasser:in:
Melanie Brauchler, ich lebe Bücher auch von unterwegs, Fortsetzung folgt
