Lernort Natur – Berliner Gymnasium begleitet Naturwacht seit 10 Jahren
Wo leben Wasserbüffel und Wildpferde in Berlin? Dieser Frage gehen Schüler*innen des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums aus Berlin-Pankow gemeinsam mit der Naturwacht des Naturparks Barnim nach.
Im Naturschutzgebiet Schönerlinder Teiche beobachten sie die Tiere, die dort eine wichtige Aufgabe übernehmen: Sie halten die Landschaft offen und schaffen Lebensräume für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.
Die Exkursionen sind Teil einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Naturwacht. Seit 2016 gehen Jugendliche gemeinsam mit den Ranger*innen des Naturparks Barnim auf Entdeckungstour. Sechs Mal im Jahr tauschen die Schüler*innen dabei das Klassenzimmer gegen Wiesen, Wälder und Gewässer.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur Wissen über Natur und Landschaft, sondern vor allem das direkte Erleben draußen vor Ort. Die Jugendlichen hören Vogelstimmen und das Summen von Wildbienen, riechen den Duft von Blättern und feuchter Erde und entdecken mit offenen Augen kleine und große Besonderheiten am Wegesrand. Gleichzeitig lernen sie, wie Landschaften entstehen, warum sie geschützt werden müssen und wie Menschen sie beeinflussen.
Dabei bleibt es nicht bei der Theorie: Die Schüler*innen übernehmen selbst Aufgaben der Ranger*innen, zählen Wasservögel, bestimmen Amphibien und erkunden verschiedene Lebensräume. Spielerisch beschäftigen sie sich außerdem mit Wildbienen sowie mit der Frage, warum manche Tiere und Pflanzen sehr spezialisiert sind, während andere fast überall zurechtkommen.
Die Projekttage führen die Gruppen an viele besondere Orte im Norden Berlins und im Barnim. Dazu gehören unter anderem der Bucher Park, die Moorlinse Buch, die ehemalige Rieselfeldlandschaft um Hobrechtsfelde, der Botanische Volkspark Blankenfelde, der Köppchensee sowie der Löwenzahnpfad am Naturschutzgebiet Schönerlinder Teiche. Dort erleben die Jugendlichen Natur direkt vor der eigenen Haustür.
Das Rosa-Luxemburg-Gymnasium nimmt im Rahmen der Begabtenförderung Klassen ab der 5. Jahrgangsstufe auf. Die sogenannten „Schnelllerner-Klassen“ erhalten zusätzlich zum regulären Unterricht besondere Lernangebote bis zur 8. Klassenstufe. In der 8. Klasse besuchen die Schüler*innen einmal pro Woche außerschulische Lernorte. Beim „Lernen an anderen Orten“ arbeitet das Gymnasium unter anderem mit Museen, Kultureinrichtungen, Unternehmen und der Naturwacht Barnim zusammen.
Die Termine mit der Naturwacht finden in zwei Blöcken statt: Drei Veranstaltungen laufen im Frühjahr von April bis Mai, weitere drei Termine folgen im September und Oktober. Für die Schüler*innen ist das Angebot Teil des regulären Unterrichts. Sie können unterschiedliche außerschulische Lernorte wählen und dabei praktische Erfahrungen sammeln. Die Kooperation mit der Naturwacht zeigt, wie spannend Bildung außerhalb des Klassenraums sein kann. Natur wird hier nicht nur erklärt – sie wird erlebt.
„Die Naturwacht im Naturpark Barnim möchte mit solchen Angeboten junge Menschen für Natur- und Artenschutz begeistern. Dass das gut funktioniert beweist die langjährige Zusammenarbeit mit dem Rosa-Luxemburg-Gymnasium“, erklärt Ranger Dirk Krone.

Hintergrundinformationen zur Naturwacht Brandenburg
Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht Brandenburg arbeiten seit 1991 in 15 Nationalen Naturlandschaften (Großschutzgebieten) des Landes und füllen das Motto „Mittler*innen zwischen Mensch und Natur“ mit Leben. Auf rund 9.000 Quadratkilometern – einem Drittel der Landesfläche – sind sie unterwegs und erfassen Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen, Grundwasserspiegeln sowie zur Qualität von Gewässern. Sie setzen im Nationalpark, den drei Biosphärenreservaten und den elf Naturparken zahlreiche Natur- und Artenschutzmaßnahmen um und kontrollieren deren Erfolg.
Gleichzeitig sind die 90 Rangerinnen und Ranger ansprechbar für alle, die in den Nationalen Naturlandschaften leben, arbeiten oder zu Gast sind. Sie begleiten jährlich rund 10.000 Interessierte auf mehr als 500 geführten Touren, teilen ihr Wissen und sensibilisieren für richtiges Verhalten in den Schutzgebieten. Damit stärken sie auch den Naturtourismus in der Region. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Bildung für nachthaltige Entwicklung, BNE: In ihrer Arbeit mit Junior-Ranger-Gruppen oder in Schul-AGs wecken die Ranger*innen Interesse an Natur- und Umweltschutz.
Mehr als 390 Freiwillige unterstützen die Naturwacht Brandenburg bei diesen vielfältigen Aufgaben. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg.



Verfasser:in:
Cara Böker, Rangerin, Naturwacht Brandenburg – Mittler*innen zwischen Mensch und Natur, Wandlitz
