Rekordjahr für Orchideen im Naturpark Barnim
Zwischen Ende April und Ende Juni waren die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht wieder auf Orchideensuche. Im Rahmen des jährlichen Monitorings erfassten sie die Bestände der seltenen Pflanzen im Naturpark Barnim.
Das Ergebnis: Mit insgesamt 11.171 gezählten Orchideen wurde ein neuer Höchststand erreicht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 2.236 Exemplaren.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung auf einigen Wiesen im Briesetal, auf denen in den vergangenen Jahren keine Orchideen mehr nachgewiesen werden konnten. Dort wurden nun wieder Pflanzen gefunden.
Am Pinnower See wurde eine neue Fläche mit 455 Exemplaren entdeckt. „Solche Funde zeigen, dass sich die Bestände positiv entwickeln können, wenn die Lebensräume erhalten und gepflegt werden“, erklärt Dirk Krone von der Naturwacht Barnim.
Den größten Anteil am Gesamtbestand stellt inzwischen eine Hybridform aus Breitblättrigem und Steifblättrigem Knabenkraut. Diese Mischform kommt im Naturpark Barnim mittlerweile häufiger vor als die beiden Ursprungsarten selbst. „Gerade diese Hybridform prägt viele unserer Orchideenstandorte“, so Krone. „Sie zeigt, wie dynamisch sich Pflanzenbestände entwickeln und wie wichtig eine kontinuierliche Beobachtung ist.“
Die Knabenkräuter zählen zu den auffälligsten heimischen Orchideenarten. Früher waren sie vielerorts als „Kuckucksblumen“ bekannt, da ihre Blütezeit mit den ersten Rufen des Kuckucks zusammenfällt. Heute gehören sie zu den geschützten Pflanzenarten, deren Vorkommen auf geeignete Lebensräume angewiesen sind.
Dass sich die Orchideenbestände im Barnim so positiv entwickeln, ist kein Zufall. Viele der artenreichen Feuchtwiesen und Offenlandstandorte benötigen eine regelmäßige Pflege. Ohne Mahd oder andere Pflegemaßnahmen würden konkurrenzstarke Pflanzen die lichtliebenden Orchideen nach und nach verdrängen. Die jährliche Erfassung liefert wichtige Hinweise für die naturschutzfachliche Betreuung der Flächen und ermöglicht den Vergleich mit den Ergebnissen vergangener Jahre.
Orchideen reagieren besonders sensibel auf Veränderungen ihrer Umwelt. Deshalb zählt die Naturwacht ihre Bestände seit vielen Jahren regelmäßig. Die diesjährigen Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass sich langfristiges Engagement für den Erhalt wertvoller Lebensräume auszahlt.
„Kaum jemand vermutet Orchideen in Brandenburg“, sagt Dirk Krone. „Umso wichtiger ist es, auf diese besonderen Pflanzen aufmerksam zu machen und ihre Lebensräume dauerhaft zu schützen.


Hintergrundinformationen zur Naturwacht Brandenburg
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Die Rangerinnen und Ranger der Naturwacht Brandenburg arbeiten seit 1991 in 15 Nationalen Naturlandschaften (Großschutzgebieten) des Landes und füllen das Motto „Mittler*innen zwischen Mensch und Natur“ mit Leben. Auf rund 9.000 Quadratkilometern – einem Drittel der Landesfläche – sind sie unterwegs und erfassen Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen, Grundwasserspiegeln sowie zur Qualität von Gewässern. Sie setzen im Nationalpark, den drei Biosphärenreservaten und den elf Naturparken zahlreiche Natur- und Artenschutzmaßnahmen um und kontrollieren deren Erfolg.
Gleichzeitig sind die 90 Rangerinnen und Ranger ansprechbar für alle, die in den Nationalen Naturlandschaften leben, arbeiten oder zu Gast sind. Sie begleiten jährlich rund 10.000 Interessierte auf mehr als 500 geführten Touren, teilen ihr Wissen und sensibilisieren für richtiges Verhalten in den Schutzgebieten. Damit stärken sie auch den Naturtourismus in der Region. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Bildung für nachthaltige Entwicklung, BNE: In ihrer Arbeit mit Junior-Ranger-Gruppen oder in Schul-AGs wecken die Ranger*innen Interesse an Natur- und Umweltschutz.
Mehr als 390 Freiwillige unterstützen die Naturwacht Brandenburg bei diesen vielfältigen Aufgaben. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg.Â
Verfasser:in:
Cara Böker, Rangerin, Naturwacht Brandenburg – Mittler*innen zwischen Mensch und Natur, Wandlitz
