Der Wandlitzer See der Zukunft – warum klein denken, wenn man auch völlig maßlos planen kann?

„Wandlitz – echt schön hier. Aber ein bisschen Potenzial ist da bestimmt noch.“

Der Wandlitzer See ist zweifellos eines der bedeutendsten Aushängeschilder unserer Gemeinde. Menschen kommen hierher, um zu baden, spazieren zu gehen, die Natur zu genießen oder einfach ein paar Stunden am Wasser zu verbringen. Der See gehört zu Wandlitz wie der Wald, die verschiedenen Ortsteile und die regelmäßige Erkenntnis, dass es für nahezu jedes kommunale Problem zunächst einmal mindestens eine Arbeitsgruppe braucht, die sich ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob das Problem tatsächlich in der vorgesehenen Form besteht und welche weiteren Gremien gegebenenfalls an seiner Lösung beteiligt werden müssen.

 

Und doch stellt sich angesichts der aktuellen Diskussionen über die Zukunft des Sees eine entscheidende Frage: Ist es eigentlich noch zeitgemäß, einen See einfach nur ein See sein zu lassen?

 

Während andere Städte Flughäfen bauen, Wolkenkratzer errichten und ganze Stadtteile aus dem Boden stampfen, liegt mitten in Wandlitz eine riesige Wasserfläche und macht – bei nüchterner Betrachtung – seit Jahren im Wesentlichen dasselbe: Sie ist nass. Natürlich könnte man sich damit zufriedengeben und argumentieren, dass ein schöner See mit attraktivem Ufer, intakter Natur, Möglichkeiten zur Erholung und einem vernünftigen touristischen Angebot eigentlich vollkommen ausreicht. Aber wo kämen wir hin, wenn kommunale Zukunftspolitik sich immer nur an Dingen orientieren würde, die tatsächlich notwendig, finanzierbar oder realistisch sind?

 

Wenn wir über die Zukunft des Wandlitzer Sees sprechen, müssen wir deshalb endlich den Mut haben, groß zu denken – und zwar nicht ein bisschen groß, nicht im Sinne von „Wir bauen einen neuen Steg“ oder „Vielleicht könnten wir den Uferweg schöner machen“, sondern so groß, dass spätestens nach der dritten Präsentationsfolie niemand mehr genau weiß, ob es sich noch um eine Tourismusstrategie oder bereits um den ersten Entwurf für einen Science-Fiction-Film handelt. Denn der Wandlitzer See besitzt Potenzial, und dieses Potenzial darf nicht länger einfach nur in Form von Wasser herumliegen.

erstellt mit KI, Mario Schlauß

Der erste Schritt: Der See wird endlich ganzjährig nutzbar

Das Problem eines normalen Sees liegt schließlich auf der Hand: Im Sommer ist er zu kalt, im Winter ist er ebenfalls zu kalt und dazwischen ist das Wetter in Brandenburg bekanntermaßen nicht immer zuverlässig genug, um eine langfristige kommunale Tourismusstrategie darauf aufzubauen. Die Lösung kann daher nur lauten, den gesamten Wandlitzer See zu überdachen – nicht teilweise, nicht mit einem kleinen Dach über dem Strandbad, sondern vollständig und selbstverständlich mit einer Konstruktion, die groß genug ist, dass man sie bei gutem Wetter noch von Berlin aus sehen kann.

 

Eine gigantische Glas- und Stahlkonstruktion überspannt künftig den gesamten See und schafft damit eine völlig neue Dimension kommunaler Freizeitgestaltung. Während draußen Regen, Schnee und brandenburgischer November herrschen, entsteht unter der riesigen Kuppel eine tropische Erlebniswelt, in der das Klima dauerhaft auf angenehme Temperaturen eingestellt wird, Palmen am Ufer wachsen, Besucher in Liegestühlen liegen und das Wasser jederzeit angenehm warm ist. Damit wäre Wandlitz endgültig unabhängig von den Jahreszeiten und könnte seinen touristischen Betrieb auch dann aufrechterhalten, wenn draußen gerade Temperaturen herrschen, bei denen selbst erfahrene Brandenburger nur noch widerwillig das Haus verlassen.

 

Der bisherige Slogan „Wandlitz – echt schön hier“ bekäme dadurch eine völlig neue Bedeutung, denn künftig könnte man mit gutem Gewissen hinzufügen: „Auch im Februar.“ Doch natürlich wäre es viel zu kurz gedacht, einen ganzen See lediglich zu überdachen. Wenn man schon einmal eine gigantische Kuppel über einer Wasserfläche errichtet hat, sollte man diese Wasserfläche schließlich auch entsprechend nutzen. Deshalb wird der gesamte Wandlitzer See gleichzeitig zum größten kommunalen Whirlpool Europas umgebaut, wobei Tausende Unterwasserdüsen die bisher eher ruhige Wasseroberfläche in eine gigantische Wellnesslandschaft verwandeln, das Wasser temperiert wird und verschiedene Bereiche unterschiedliche Massageprogramme anbieten.

 

Natürlich darf auch hier die kommunale Vielfalt nicht zu kurz kommen, weshalb es einen Familienbereich, einen Ruhebereich, einen Premiumbereich und selbstverständlich einen gesonderten kommunalpolitischen Entspannungsbereich geben wird, in dem Gemeindevertreter nach besonders langen Sitzungen bei 38 Grad Wassertemperatur darüber nachdenken können, ob der nächste Beschluss tatsächlich heute gefasst werden sollte oder ob man ihn vorsichtshalber noch einmal in den zuständigen Ausschuss zurückverweist.

Warum nur ein Ufer haben, wenn man auch eine Insel bauen kann?

Mitten im Wandlitzer See entsteht anschließend eine künstliche Ferieninsel, deren Name selbstverständlich ebenso international wie bescheiden ausfallen wird: „Wandlitz Paradise Island“. Die Insel erhält ein Hotel, eine großzügige Wellnesslandschaft, mehrere gastronomische Einrichtungen, exklusive Stelzenbungalows und eine eigene Strandpromenade, denn von einer ernstzunehmenden touristischen Destination kann man schließlich nicht erwarten, dass ihre Besucher nach einem entspannten Tag im komplett überdachten, beheizten und kommunal betriebenen Whirlpool einfach wieder nach Hause fahren.

 

Das Ziel ist vielmehr, den Aufenthalt so attraktiv zu gestalten, dass niemand mehr einen Grund sieht, Wandlitz überhaupt zu verlassen. Die Menschen sollen daher künftig nicht mehr fragen: „Wo liegt eigentlich der nächste See?“, sondern vielmehr: „Wo ist der Anleger für Paradise Island?“

 

Natürlich wird die Insel über eine spektakuläre Brücke erreichbar sein, denn große Projekte brauchen schließlich Brücken. Ob eine solche Brücke tatsächlich notwendig ist, spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle, denn Brücken sehen gut aus, Brücken symbolisieren Fortschritt und Brücken vermitteln den Eindruck, dass zwischen zwei Orten etwas unglaublich Wichtiges passiert – selbst dann, wenn man die Strecke eigentlich auch problemlos mit einem Boot zurücklegen könnte.

 

Vor allem aber lassen sich Brücken hervorragend mit LED-Beleuchtung ausstatten, und was wäre ein kommunales Großprojekt ohne eine feierliche Eröffnung bei Sonnenuntergang, begleitet von einer Ansprache über die Bedeutung nachhaltiger Infrastruktur, während im Hintergrund mehrere hundert Meter LED-Beleuchtung symbolisch die wassergebundene Zukunft der Gemeinde erstrahlen lassen?

 

Die Brücke wird deshalb selbstverständlich nicht einfach eine Brücke sein, sondern ein „interkommunales Verbindungselement zur Förderung wassergebundener touristischer Mobilität“, was zwar deutlich komplizierter klingt, aber immerhin den Vorteil hat, dass es in einer Fördermittelbroschüre nach einem sehr wichtigen Projekt aussieht. Was genau die Formulierung bedeutet, wird später in einer Broschüre erklärt, die wiederum Gegenstand einer eigenen Informationsveranstaltung sein dürfte.

Der Wandlitzer See-Tower

Natürlich darf eine Gemeinde mit internationalen Ambitionen nicht ausschließlich auf der Wasseroberfläche bleiben. Wer einen See bereits überdacht, beheizt, zum gigantischen Whirlpool umgebaut und mit künstlichen Ferieninseln ausgestattet hat, sollte sich schließlich nicht von einer Kleinigkeit wie der Schwerkraft in seinen weiteren Entwicklungsmöglichkeiten einschränken lassen. Deshalb wird mitten im Wandlitzer See ein gigantischer Aussichtsturm errichtet, der sich mehrere hundert Meter über die Wasserfläche erhebt und einen beeindruckenden Blick über Wandlitz, den Barnim und bei besonders guter Sicht vermutlich bis zu den ersten Haushaltsproblemen Berlins ermöglicht.

 

 

Schon von weitem wird der Tower deutlich machen, dass Wandlitz nicht einfach irgendeine Gemeinde mit einem See ist, sondern eine Gemeinde mit Visionen, und wenn diese Visionen zufällig mehrere hundert Meter hoch sind, dann handelt es sich eben um ein sichtbares Zeichen kommunaler Zukunftsfähigkeit.

 

An der Spitze des Towers befindet sich selbstverständlich eine exklusive Skybar, denn wenn man schon mehrere hundert Meter über dem Wandlitzer See schwebt, sollte zumindest die Möglichkeit bestehen, bei einem Cocktail über die strategische Bedeutung wassergebundener touristischer Infrastruktur nachzudenken. Darunter befindet sich ein hochwertiges Restaurant mit Panoramablick, in dem Besucher regionale Spezialitäten
genießen und gleichzeitig beobachten können, wie sich unter ihnen der vollständig überdachte, beheizte und blubbernde Wandlitzer See erstreckt.
Darunter folgt eine spektakuläre Aussichtsplattform, selbstverständlich teilweise mit Glasboden, denn schließlich soll niemand behaupten können, Wandlitz hätte bei seinen touristischen Visionen nicht auch den nötigen Mut zum transparenten Blick nach unten. Und weil jede ernstzunehmende touristische Attraktion irgendwann einen Raum braucht, in dem über ihre zukünftige Entwicklung gesprochen werden kann, befindet sich darunter ein
großzügiges Konferenzzentrum, in dem Unternehmen tagen, Veranstaltungen stattfinden und strategische Klausurtagungen durchgeführt werden können.

 

Vor allem aber erhält die Gemeindevertretung damit endlich einen angemessenen Ort, um regelmäßig darüber zu beraten, ob es sinnvoll wäre, noch etwas Spektakuläreres auf dem See zu bauen. Die Sitzungen könnten dabei selbstverständlich direkt mit Blick auf die bisherigen Projekte stattfinden, wodurch die Mitglieder der Gemeindevertretung jederzeit daran erinnert würden, wie viel Entwicklungspotenzial noch vorhanden ist.

 

Die Frage, ob man damit möglicherweise bereits genügend Attraktionen geschaffen hat, dürfte sich daher eigentlich gar nicht stellen. Schließlich wäre es geradezu fahrlässig, einen derart großen See nach all diesen Investitionen einfach fertig sein zu lassen.

Das Unterwasser-Rathaus – endlich Politik mit Tiefgang

Doch während der Wandlitzer See-Tower für den Blick nach oben steht, braucht eine zukunftsfähige Gemeinde selbstverständlich auch den Blick nach unten. Eine Kommune, die bereits mehrere hundert Meter in die Höhe baut, kann sich schließlich nicht dauerhaft dem Vorwurf aussetzen, sie denke nur in eine Richtung. Und so entsteht auf dem Grund des Wandlitzer Sees das vielleicht wichtigste politische Bauwerk der gesamten Zukunftsvision: das Unterwasser-Rathaus von Wandlitz. Ein gigantischer gläserner Gebäudekomplex befindet sich direkt unterhalb der Wasseroberfläche. Von außen wirkt das Rathaus wie eine futuristische Mischung aus Aquarium, Regierungsgebäude und touristischer Großattraktion, während es von innen im Grunde ein ganz normales Rathaus ist – nur eben mit deutlich besserer Aussicht und erheblich komplizierteren Fluchtwegen.

 

Hier tagt künftig die Gemeindevertretung, während draußen Fische vorbeischwimmen und drinnen über Haushaltspläne, Straßen, Schulen und selbstverständlich die zukünftige Entwicklung des Wandlitzer Sees diskutiert wird. Schließlich gibt es vermutlich keinen besseren Ort, um über die Zukunft eines Sees zu sprechen, als auf dessen Grund.

 

Die großen Sitzungssäle sind vollständig verglast, sodass Hechte, Barsche und andere Bewohner des Sees das politische Geschehen unmittelbar verfolgen können. Ob die Fische anschließend zufriedener mit den Entscheidungen sind als die Einwohnerinnen und Einwohner, bleibt allerdings abzuwarten.

 

Das eigentliche Besondere am Unterwasser-Rathaus ist jedoch seine touristische Nutzung. Besucher können die Sitzungen von außen beobachten, wodurch Kommunalpolitik endlich zu einer echten Touristenattraktion wird. Familien fahren künftig mit kleinen U-Booten am Rathaus vorbei und erklären ihren Kindern: „Schau mal, dort drin wird gerade seit drei Stunden darüber diskutiert, ob ein Beschluss heute gefasst werden kann.“

 

Die Kinder fragen: „Und was passiert danach?“

Die Antwort lautet: „Danach wird er wahrscheinlich vertagt.“

 

Damit entsteht ein touristisches Angebot, das Bildung, Unterhaltung und kommunalpolitische Realität miteinander verbindet. Besucher können hautnah erleben, wie Entscheidungen entstehen – oder zumindest, wie ausführlich über die Voraussetzungen diskutiert wird, unter denen sie möglicherweise irgendwann entstehen könnten. Natürlich verfügt das Unterwasser-Rathaus auch über einen großzügigen Besucherbereich, in dem eine interaktive Ausstellung den Weg einer Beschlussvorlage vom ersten Gedanken über mehrere Ausschüsse und Stellungnahmen bis hin zur endgültigen Entscheidung erklärt.

 

Für besonders interessierte Besucher gibt es die Premiumführung „Der lange Weg zum Beschluss“, deren Dauer vorsichtshalber nicht angegeben wird.
Ein weiterer großer Vorteil des Unterwasser-Rathauses liegt in seiner besonderen Atmosphäre. Wer bei einer langen Sitzung einfach aufstehen und gehen möchte, muss sich zunächst überlegen, wie er überhaupt wieder an die Oberfläche kommt. Das fördert die Konzentration und vermutlich auch die Sitzungsdisziplin. Zwar wird selbstverständlich ein moderner Notausgang vorhanden sein, doch dieser darf nur in besonders dringenden Fällen
genutzt werden – beispielsweise bei technischem Versagen, Wassereinbruch oder wenn jemand eine Beschlussvorlage mit mehr als 500 Seiten vorliest.

Der Escape Room für Kommunalpolitiker

Direkt neben dem Unterwasser-Rathaus entsteht die nächste Attraktion: „Shark Escape – Kommunalpolitik Edition“, ein Escape Room, der speziell für Kommunalpolitiker entwickelt wurde und dessen Aufgabe zunächst denkbar einfach klingt: Die Teilnehmer werden eingeschlossen und haben exakt 60 Minuten Zeit, den Raum wieder zu verlassen.

 

Der Ausgang öffnet sich allerdings nur, wenn es ihnen gelingt, eine Zuständigkeit eindeutig festzustellen, einen Fördermittelantrag vollständig und fristgerecht auszufüllen, eine rechtliche Stellungnahme einzuholen, den Haushaltsvorbehalt zu überwinden, eine Mehrheit zu organisieren und anschließend tatsächlich eine Entscheidung zu treffen.

 

Die Entwickler rechnen daher mit einem extrem hohen Schwierigkeitsgrad. Erste Testgruppen sollen bereits nach wenigen Minuten beschlossen haben, zunächst einen Arbeitskreis einzurichten, während andere Teilnehmer vorsorglich eine Vertagung beantragten und wieder andere zunächst eine externe Stellungnahme dazu einholen wollten, ob der Raum überhaupt verlassen werden dürfe.

 

Der bisherige Rekord liegt deshalb vermutlich bei mehreren Legislaturperioden.

 

Für normale Besucher gibt es eine vereinfachte Variante, während kommunale Mandatsträger die Premiumversion erhalten, bei der zusätzlich mehrere Beschlussvorlagen, ein unklarer Haushaltsansatz und mindestens drei Personen mit unterschiedlichen Auffassungen über die Zuständigkeit zum Einsatz kommen. Nach Ablauf der 60 Minuten erscheint auf einer großen Anzeige lediglich der Hinweis: „Die Entscheidung wurde vertagt.“

 

Der Raum bleibt geschlossen.

Der touristische Mehrwert ist damit offensichtlich.

Wandlitz bereitet sich auf das Universum vor

Eine moderne Gemeinde darf selbstverständlich nicht nur regional denken. Regional denken kann schließlich jeder. Man kann sich mit Straßen, Schulen, Spielplätzen, öffentlichem Nahverkehr und anderen vergleichsweise bodenständigen Themen beschäftigen. Wenn Wandlitz jedoch wirklich den Anspruch hat, seine touristische Zukunft neu zu definieren, muss der Blick zwangsläufig weitergehen – sehr viel weiter.

 

Eine zukunftsfähige Gemeinde muss international denken, und wenn sie wirklich ambitioniert ist, dann selbstverständlich auch interplanetarisch. Während andere Kommunen noch darüber nachdenken, wie sie mehr Besucher aus Berlin oder dem Landkreis anlocken können, stellt sich Wandlitz bereits die wesentlich bedeutendere Frage, was eigentlich passiert, wenn außerirdisches Leben eines Tages beschließt, Brandenburg zu besuchen – und vor allem, was passiert, wenn es ausgerechnet in Wandlitz landen möchte.

 

Mitten auf dem Wandlitzer See entsteht deshalb das „Interkommunale Zentrum für außerirdische Begegnungen“. Eine gigantische schwimmende Plattform dient künftig als offizieller UFO-Landeplatz und setzt damit ein klares Zeichen für eine weltoffene, zukunftsorientierte und selbstverständlich universell denkende Gemeindeentwicklung.

 

Man könnte natürlich einwenden, dass bisher keine konkreten Hinweise darauf existieren, dass außerirdisches Leben ausgerechnet Wandlitz als Ziel für den ersten Kontakt mit der Menschheit ausgewählt hat. Aber genau hier zeigt sich der entscheidende Unterschied zwischen einer gewöhnlichen Verwaltung und echter Zukunftspolitik: Eine gewöhnliche Verwaltung wartet, bis ein Problem entsteht, eine moderne Gemeinde entwickelt vorher
eine Strategie und eine wirklich ambitionierte Gemeinde baut vorsorglich einen Landeplatz für Außerirdische.

 

Wir warten nicht, bis Außerirdische da sind. Wir schaffen vorher die Infrastruktur.

 

Sollten sie irgendwann kommen, ist Wandlitz vorbereitet. Die außerirdischen Besucher landen auf einer hochmodernen Plattform mitten im See und
werden selbstverständlich angemessen empfangen. Denkbar wäre ein offizielles Begrüßungskomitee aus Vertretern der Gemeinde, der Seeverwaltung und mindestens zwei Arbeitsgruppen, die zuvor über mehrere Monate hinweg die Frage beraten haben, welche Begrüßungsformulierung intergalaktisch angemessen erscheint.

 

Zur Auswahl stehen beispielsweise „Herzlich willkommen in Wandlitz“ oder, deutlich internationaler, „Welcome to Wandlitz“. Sollte die Verständigung mit außerirdischen Lebensformen schwieriger sein als erwartet, wird vorsorglich eine weitere Arbeitsgruppe eingerichtet.

 

Natürlich darf auch der touristische Mehrwert eines solchen Projekts nicht unterschätzt werden. Wandlitz wäre die erste Gemeinde der Region, die nicht nur für Menschen aus Berlin und Brandenburg attraktiv ist, sondern theoretisch für Besucher aus dem gesamten Universum. Damit eröffnen sich völlig neue Zielgruppen: außerirdische Tagesgäste, interstellare Wochenendreisen, galaktische Kongresse oder vielleicht sogar der erste offizielle Bürgeraustausch zwischen Wandlitz und einem bislang unbekannten Planeten.

 

Sollten die Außerirdischen tatsächlich landen, verfügt das Zentrum selbstverständlich über alle notwendigen Einrichtungen, darunter ein Besucherzentrum, einen intergalaktischen Informationsschalter und eine großzügige Veranstaltungsfläche. Ob ein Reisepass erforderlich ist, muss noch geprüft werden.

 

Für den Fall, dass außerirdische Besucher besondere Anforderungen an Atmosphäre, Temperatur oder Schwerkraft haben, wird vorsorglich ein Fachbeirat eingerichtet, der in einer mehrjährigen Machbarkeitsstudie untersuchen soll, welche kommunalen Anpassungen notwendig wären, um Wandlitz dauerhaft als universellen Begegnungsort zu etablieren.

 

Sollten die Außerirdischen hingegen doch nicht kommen – was natürlich niemand mit Sicherheit ausschließen kann –, ist die Investition keineswegs verloren. Die gigantische Plattform kann selbstverständlich weiterhin genutzt werden, vielleicht für eine Bürgerbeteiligung, vielleicht für eine Hochzeit, vielleicht für ein Konzert oder, was angesichts der bisherigen Entwicklung am wahrscheinlichsten erscheint, für eine Sitzung der Seeverwaltung.
Und wenn man die bisherigen Planungen für den Wandlitzer See betrachtet, wird die Seeverwaltung vermutlich ohnehin regelmäßig zusätzlichen Platz benötigen.

Der Wasserfall, den niemand gebraucht hat

Was fehlt einem See, der inzwischen überdacht, beheizt, mit künstlichen Inseln ausgestattet und sogar unterkellert wurde? Natürlich ein gigantischer Wasserfall. Das Konzept ist denkbar einfach: Wasser wird aus dem Wandlitzer See gepumpt, mehrere Meter nach oben transportiert und anschließend spektakulär über eine künstliche Felslandschaft wieder zurück in den Wandlitzer See geleitet. Kritische Stimmen könnten natürlich behaupten, dass man damit sehr viel Energie aufwendet, um Wasser von einem Ort an einen anderen zu bewegen, nur damit es anschließend genau dort landet, wo es
vorher schon war.

 

Doch diese Kritik verkennt den touristischen Mehrwert, denn das Wasser fällt – und zwar spektakulär.

 

Dazu gibt es Lichtinstallationen, Musik und selbstverständlich eine tägliche Wassershow. Der Wasserfall erhält natürlich auch einen eigenen Namen: „Wandlitzer Fall“. Und wenn Besucher irgendwann fragen, warum dieser Wasserfall überhaupt gebaut wurde, lautet die offizielle Antwort vermutlich: „Weil er förderfähig war.“

Wandlitz bei Nacht – die schwimmende Vergnügungsmeile

Damit Wandlitz künftig nicht nur tagsüber, sondern auch nachts ein touristisches Erlebnis bietet, entsteht auf einem Teil des Sees eine gigantische schwimmende Vergnügungsmeile. Restaurants, Hotels, Konzertbühnen, Lichtshows, Bars und Veranstaltungsflächen sollen aus dem See eine Art Las Vegas auf dem Wasser machen – nur mit deutlich mehr kommunaler Abstimmung.

 

Während in Las Vegas vermutlich innerhalb weniger Monate ein neues Hotel gebaut wird, beginnt Wandlitz selbstverständlich mit einer Machbarkeitsstudie. Darauf folgt eine Vorprüfung, anschließend eine Bürgerbeteiligung, danach die Einrichtung einer Arbeitsgruppe und schließlich eine Auswertung der Ergebnisse. Am Ende wird festgestellt, dass für die weitere Prüfung zusätzliche Haushaltsmittel erforderlich sind.

 

Und genau darin liegt der eigentliche nachhaltige Charakter des Projekts: Bis die schwimmende Vergnügungsmeile tatsächlich fertiggestellt ist, hat sie bereits mehrere Generationen von Verwaltung, Politik und Gutachtern beschäftigt.

 

Vielleicht ist das am Ende sogar die größte Attraktion von allen – ein Projekt, das niemals fertig wird, aber trotzdem dauerhaft Fördermittel, Sitzungen und Pressemitteilungen produziert.

Die künstliche Inselwelt der Ortsteile

Damit bei all diesen internationalen und inzwischen sogar interplanetaren Ambitionen die örtliche Identität nicht verloren geht, erhält selbstverständlich jeder Ortsteil seine eigene künstliche Insel im Wandlitzer See. Jede dieser Inseln repräsentiert einen Teil der Gemeinde und bekommt ein eigenes Thema, sei es Natur, Kultur, Familie, Tourismus, Ruhe oder Veranstaltungen.

 

Natürlich muss dafür zunächst eine Kommission gebildet werden, die entscheidet, welcher Ortsteil welche Insel bekommt. Anschließend entsteht ein Beirat zur gerechten Verteilung der Inselgrößen, gefolgt von einem Arbeitskreis zur Gestaltung der Inselnamen. Und spätestens dann wird festgestellt, dass für die Verwaltung, Koordination und Überwachung dieser gesamten Struktur noch eine weitere Insel benötigt wird.

 

Aber auch das ist kein Problem.

Der Wandlitzer See ist schließlich groß.

Noch.

Die Unterwasserbahn

Wer anschließend all diese Inseln, Hotels, Freizeitbereiche, Rathäuser und weltraumbahnhöfe besuchen möchte, benötigt natürlich ein modernes und leistungsfähiges Verkehrssystem. Deshalb entsteht unter dem Wandlitzer See eine Unterwasserbahn, deren Züge über große gläserne Fenster verfügen, sodass die Fahrgäste während der Fahrt einen faszinierenden Blick auf die Unterwasserwelt genießen können.

 

Zu sehen gibt es Fische, künstliche Haie, Whirlpoolblasen und möglicherweise den einen oder anderen Gemeindevertreter auf dem Weg zur nächsten Sitzung. Die Strecke verbindet den Bahnhof mit Paradise Island, dem Unterwasser-Rathaus, dem See-Tower und den künstlichen Ortsteilinseln.

 

Die eigentliche Fahrtzeit beträgt dabei nur wenige Minuten. Wie lange die Planung, Genehmigung und Umsetzung dauern werden, wird vorsichtshalber nicht angegeben, schließlich soll die Bevölkerung nicht unnötig mit Zahlen verunsichert werden.

Und am Ende natürlich: die Wandlitzer Seeverwaltung

Spätestens an diesem Punkt wird deutlich, dass ein solcher See nicht mehr einfach von einer normalen Gemeindeverwaltung betreut werden kann. Ein See mit einer gigantischen Kuppel, künstlichen Inseln, einem Unterwasser-Rathaus, einer schwimmenden Vergnügungsmeile, einem Weltraumbahnhof und einem UFO-Landeplatz benötigt selbstverständlich eine eigene Verwaltung.

 

Und so entsteht die Wandlitzer Seeverwaltung – eine eigenständige kommunale Institution, die sich ausschließlich mit der strategischen, wirtschaftlichen, touristischen, wasserbezogenen und interplanetaren Entwicklung des Wandlitzer Sees beschäftigt.

 

An ihrer Spitze steht natürlich ein Geschäftsführer, selbstverständlich mit Stellvertreter. Dazu kommen ein Aufsichtsrat, ein Tourismusbeirat, ein Wasserbeirat, ein Naturbeirat, ein Bürgerdialogbeirat und ein strategischer Fachbeirat. Es gibt einen Arbeitskreis See, einen Unterarbeitskreis Wasser und eine Projektgruppe Zukunftssee. Und selbstverständlich darf auch ein Beirat für die langfristige Evaluation der wassergebundenen Entwicklungsperspektiven nicht fehlen.

 

Einmal jährlich erscheint der neue „Masterplan Wandlitzer See 2045+“, der natürlich regelmäßig fortgeschrieben wird, denn kaum ist eine Vision beschlossen, entsteht bereits die nächste. Vielleicht wird irgendwann festgestellt, dass der See-Tower zu klein ist, vielleicht braucht Paradise Island einen eigenen Flughafen, vielleicht wünschen die Außerirdischen eine eigene Insel oder vielleicht muss das Unterwasser-Rathaus erweitert werden.

 

Und selbstverständlich muss dann zunächst geprüft werden, ob dafür eine weitere Machbarkeitsstudie notwendig ist. Anschließend folgen eine Vorprüfung, eine Bürgerbeteiligung, die Einrichtung einer Arbeitsgruppe und irgendwann die Erkenntnis, dass für die Umsetzung zusätzliche Haushaltsmittel erforderlich sind.

 

Aber genau das ist schließlich Fortschritt.

Der Wandlitzer See – ein kommunales Gesamtkunstwerk

Der Wandlitzer See wäre damit endgültig nicht mehr einfach nur ein See, sondern ein gigantisches kommunales Gesamtkunstwerk: ein überdachter Wellnesskomplex, ein Whirlpool, eine künstliche Inselwelt, ein Unterwasser-Rathaus, ein Escape Room für Kommunalpolitiker, ein UFO-Landeplatz, eine Vergnügungsmeile, ein Weltraumbahnhof und eine Unterwasserbahn.

 

Vor allem aber wäre er ein Projekt, das so viele Gremien, Beiräte, Kommissionen, Arbeitskreise und Fachgruppen beschäftigt, dass der ursprüngliche Gedanke – einfach einen schönen See zu haben – vermutlich irgendwann vollständig in Vergessenheit gerät.

 

Aber das macht nichts.

 

Denn am Ende können wir trotzdem stolz sagen, dass wir aus einem See etwas gemacht haben, das vorher niemand für möglich gehalten hätte. Wir haben ihn verbessert, erweitert, überdacht, beheizt, unterkellert, bebaut, überplant und verwaltet. Wir haben aus Wasser Infrastruktur gemacht, aus Infrastruktur Tourismus, aus Tourismus ein Großprojekt und aus dem Großprojekt schließlich eine eigene Verwaltung.

 

Und wenn irgendwann jemand fragt, warum das alles eigentlich notwendig war, dann gibt es darauf eine ganz einfache Antwort: Weil es möglich war.

Und weil es förderfähig war.

Wandlitz – echt schön hier.

 

Und wenn man uns lässt, machen wir daraus auch noch ein internationales, interplanetarisches, kommunal verwaltetes Erlebnisresort mit Fördermittelperspektive.




Verfasser:in:
Mario Schlauß, Die PARTEI

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