Wandlitzer See:

Drei Abende für die Zukunft – und (k)einer für die Gegenwart?

Der Wandlitzer See beschäftigt die Gemeinde. Und zwar offenbar so intensiv, dass gleich drei öffentliche Informationsveranstaltungen notwendig sind, um über seine mögliche Zukunft zu sprechen. Das ist zunächst einmal erfreulich: Bürgerinnen und Bürger sollen informiert werden, über Chancen, Finanzierungsmöglichkeiten und Gestaltungsspielräume. Schließlich geht es bei einem möglichen Ankauf nicht gerade um den Kauf eines neuen Parkautomaten.

 

Nur über die Frage, ob sich die Gemeinde das alles überhaupt leisten kann, wird bislang auffällig wenig öffentlich gesprochen.

 

Meine eigene Vorstellung davon, was man mit einem gekauften Wandlitzer See alles anfangen könnte, habe ich bereits in meinem Artikel „Der Wandlitzer See der Zukunft – warum klein denken, wenn man auch völlig maßlos planen kann?“ beschrieben. Wenn man schon einen ganzen See kauft, sollte man schließlich nicht bei einem Parkplatz und ein paar Badestellen stehen bleiben. Eine riesige Kuppel, tropisches Klima, Ferieninsel, WandlitzTower, Wellnessbereich und am besten noch ein Unterwasser-Rathaus wären doch konsequent. Wer einen See kauft, darf schließlich auch groß träumen.

 

Das Problem an Visionen ist allerdings, dass irgendwann die Rechnung kommt.

 

Und genau deshalb wäre derzeit vielleicht eine andere Informationsveranstaltung mindestens genauso interessant: eine zum Haushaltsplan 2027. Während sich die Gemeinde drei Abende lang mit der Frage beschäftigt, welche Chancen ein eigener See eröffnen könnte, wäre es für die Öffentlichkeit durchaus hilfreich zu erfahren, welche finanziellen Möglichkeiten die Gemeinde überhaupt noch besitzt. Welche Investitionen sind möglich? Welche Projekte müssen warten? Wo entstehen zusätzliche Belastungen? Und wie viel Spielraum bleibt eigentlich für all die schönen Dinge, die man sich politisch so gerne vornimmt?

 

Das klingt weniger spektakulär als eine Ferieninsel im Wandlitzer See. Es dürfte für die nächsten Jahre allerdings erheblich wichtiger sein.

 

Besonders fragwürdig erscheint dabei der Termin der ersten Veranstaltung am 17. September. Am selben Abend ist am Parkplatz des Strandbads Wandlitzsee ein Bürgerdialog der AfD angekündigt. Ob es dazu eine Gegenveranstaltung geben wird, bleibt abzuwarten. Für einen Bürgermeister, der sich kürzlich öffentlich zu seiner antifaschistischen Haltung bekannt hat, wäre dieser Abend jedenfalls eine Gelegenheit, diese Haltung auch im direkten
demokratischen Austausch sichtbar werden zu lassen.

 

Vielleicht wäre deshalb gerade der 17. September der Termin, den man noch einmal überdenken sollte. Nicht, weil über den Wandlitzer See nicht informiert werden sollte, sondern weil es an diesem Abend bereits eine andere politische Auseinandersetzung in Wandlitz gibt, der demokratische Aufmerksamkeit gebührt. Eine Verschiebung dieses einen Termins wäre damit nicht das Ende der See-Debatte, sondern schlicht eine Frage vernünftiger Prioritäten.

 

Vielleicht ist das eigentliche Problem deshalb gar nicht, dass über den Wandlitzer See gesprochen wird. Vielleicht ist es nur die bemerkenswerte Reihenfolge.

 

Erst drei Abende über die Frage, was alles möglich wäre, und irgendwann vielleicht ein Abend darüber, was tatsächlich möglich ist.

 

Wobei man dem See zugutehalten muss: Er hat immerhin den Vorteil, dass er nicht jedes Jahr einen neuen Haushaltsplan braucht.

 

Und falls der Ankauf tatsächlich zustande kommt, kann man sich ja immer noch an die großen Pläne machen. Die Kuppel steht schließlich schon auf dem Papier, der WandlitzTower ist gedanklich errichtet und das Unterwasser-Rathaus wartet nur noch auf seine Finanzierung.




Verfasser:in:
Mario Schlauß, Die PARTEI

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