Sicherheitskonferenz in Bernau: mehr Sicherheit im Barnim
Behörden berichteten und berieten beim Sicherheitsgipfel über Cybercrime, Unfallzahlen und Kriminalprävention im Barnim
Angesichts rapide wandelnder Kriminalitätsformen, neuer digitaler Bedrohungsszenarien und anhaltender Herausforderungen im regionalen Straßenverkehr setzen die Sicherheitsbehörden im Landkreis Barnim im Jahr 2026 verstärkt auf eine enge, ressortübergreifende Kooperation.
Beim jüngsten Sicherheitsgipfel, der am 19. Juni 2026 im großen Saal des Neuen Rathauses von Bernau stattfand, kamen Spitzenvertreter der Kommunen, Kreisverwaltung, Justiz und der Brandenburger Polizei zusammen. Gemeinsam analysierten die Beteiligten die Entwicklungen im vergangenen Jahr und steckten die strategischen Handlungsfelder für die kommenden Monate ab.
Ich war als Vertreter der Kreistagsfraktion „FDP, Bürgerfraktion Barnim, AWG“ vor Ort: es herrschte Einigkeit darüber, dass Sicherheit im direkten Verflechtungsraum mit Berlin nur durch stetigen, transparenten Informationsaustausch gelingen kann. Bernaus Bürgermeister André Stahl unterstrich in seiner Begrüßung nachdrücklich, dass die Herausforderungen einer wachsenden Region im Speckgürtel eine synchrone und behördenübergreifende Gefahrenabwehr zwingend erforderlich machen.
Rückläufige Tendenz der Straftaten in 2025
Gastgeber der jährlichen Sicherheitskonferenz sind der Leiter der Polizeiinspektion Barnim, Jens Starigk, und Landrat Daniel Kurth. Sie konnten den anwesenden Gästen und Mandatsträgern eine Bilanz präsentieren, die im Kern durchaus Anlass zur Zuversicht gibt: Mit insgesamt 10.057 registrierten Straftaten im abgelaufenen Jahr 2025 setzt sich der rückläufige Trend der allgemeinen Kriminalitätsbelastung in der Region kontinuierlich fort. Aus der Pressemitteilung des Landkreises: „Die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner – verringerte sich auf 5.180. Damit liegt der Landkreis Barnim weiterhin deutlich unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote auf 53,8 Prozent.“ Diese fundierten Zahlen untermauern, dass der Barnim auch weiterhin seinen Spitzenplatz als einer der sichersten
Landkreise im gesamten Land Brandenburg behaupten kann. Dennoch warnt die Polizeiführung vor verfrühter Euphorie, da sich die Schwerpunkte der Kriminalität spürbar verschieben und die Beamten vor gänzlich neue Ermittlungsaufgaben stellen.

Wechsel vom Diebstahl zur Cyberkriminalität
Besonders deutlich wird dieser Strukturwandel im städtischen Raum. In der Stadt Bernau bilden Diebstahl, schwerer Diebstahl und Rohheitsdelikte zwar rein zahlenmäßig nach wie vor die häufigsten Fallgruppen, doch im Hintergrund vollzieht sich eine Änderung: der klassische, physische Diebstahl wird zunehmend durch hochkomplexe Betrugsdelikte im digitalen Raum verdrängt. Die Cyberkriminalität – von Enkeltricks über Messenger-Dienste bis hin zu professionell organisiertem Online-Betrug – fordert die Ermittler massiv.
Die Anonymität des Internets macht es den Tätern leicht, Beute zu machen, weshalb die Polizei ihre digitale Aufklärungsarbeit und die Sensibilisierung der Bevölkerung drastisch hochfahren muss, um den Kriminellen im Netz einen Schritt voraus zu sein.
Ein geografischer Brennpunkt, der den Beamten seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet, bleibt unverändert der engere Verflechtungsraum an der direkten Grenze zu Berlin. Durch die hervorragende Verkehrsanbindung und die dichte Besiedlung sieht sich die Region nach wie vor mit einer erheblichen Anzahl an Wohnungseinbrüchen konfrontiert. Um dieser Dynamik nachhaltig entgegenzuwirken, setzen Ordnungshüter nicht mehr nur auf Streifenpräsenz, sondern verstärkt auf die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger durch gezielte Aufklärung und technische Barrieren.
Die Polizei verweist in diesem Zusammenhang nachdrücklich auf kostenlose Präventions- und Beratungsangebote. Spezialisierte Berater kommen auf Wunsch direkt in die Wohnquartiere, um den Menschen vor Ort zu zeigen, wie sie ihr Hab und Gut durch mechanische Sicherungen und aufmerksames Verhalten effektiv schützen können.
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Schutz im privaten Bereich
Neben der sichtbaren Kriminalität im öffentlichen Raum stand beim diesjährigen Gipfel auch der Schutz im privaten, oft verborgenen Bereich ganz oben auf der Agenda. Die Bekämpfung häuslicher Gewalt wurde als ein elementarer Pfeiler der polizeilichen Arbeit im Barnim definiert. Die Inspektion hat ihre präventiven und intervenierenden Angebote in diesem sensiblen Bereich massiv ausgebaut.
Mit der Etablierung einer Opferschutzbeauftragten hält die Polizeiinspektion nun eine feste, hochspezialisierte und vor allem niedrigschwellige Ansprechstelle für Betroffene bereit. Ziel ist es, das Dunkelfeld aufzuhellen, Opfern schnelle, unbürokratische Hilfe zukommen zu lassen und Tätern unmissverständlich zu zeigen, dass Gewalt in den eigenen vier Wänden konsequent strafrechtlich verfolgt wird.


Schwerpunkt schwere Verkehrsunfälle
Ernste Sorge bereitet den Verantwortlichen hingegen die Entwicklung auf den Straßen der Region, die einen deutlichen Kontrast zur sinkenden Kriminalitätsstatistik bildet. Zwar sank die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle trotz des stetig wachsenden Pendler- und Wirtschaftsverkehrs im Landkreis leicht – in Bernau selbst wurden im vergangenen Jahr 1.047 Unfälle registriert, die sich mehrheitlich innerhalb geschlossener Ortschaften ereigneten –, doch die Intensität der Unfälle gibt Anlass zur Sorge. Kritisch bewertet die Polizeiinspektion vor allem die Entwicklung bei den schweren Verkehrsunfällen mit Personenschäden. Für das laufende Jahr mussten bereits acht Verkehrstote im Barnim registriert werden – eine Bilanz, die alle Beteiligten aufrüttelt.
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Das größte Problem für die Verkehrsüberwachung besteht darin, dass sich bei den tödlichen Unfällen kein einzelner geografischer Schwerpunkt im Kreisgebiet ausmachen lässt; das Geschehen verteilt sich über Landstraßen und innerstädtische Knotenpunkte gleichermaßen.
Als Hauptursachen gelten nach wie vor die klassischen Fehlverhaltennweisen: Vorfahrtsverstöße, überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit sowie das Fahren unter Alkoholeinfluss. Hinzu kommt ein modernes Massenphänomen, das immer häufiger zu fatalen Unfällen führt: die gefährliche Ablenkung durch Smartphones oder andere digitale Medien am Steuer.
Die Polizei plädiert daher verstärkt für gegenseitige Rücksichtnahme, eine realistische Selbsteinschätzung der eigenen Fahrtüchtigkeit und den konsequenten Verzicht auf den Blick aufs Display während der Fahrt, um die Straßen im Barnim wieder sicherer zu machen.

Verfasser:in:
Marco Scafaro
