Geschichten aus dem Ort – Was uns verbindet
Stolzenhagen: Die Entwicklung der Anästhesie in einem Stolzenhagener Museum dokumentiert
Am 10. März 2026 war das Stolzenhagener Bürgerhaus um 18 Uhr trotz des Winterwetters bis auf wenige Plätze gut besucht. Die Besuchenden erwartete ein spannender Vortrag von Herrn Dr.  Volkmar Wünscher, der nicht nur über die faszinierende Welt der Anästhesie berichtete, sondern auch Einblicke in sein einzigartiges Museum in Stolzenhagen gab. Ein Abend voller interessanter Geschichten und staunender Gäste.
Kaum ein medizinisches Fachgebiet hat die moderne Chirurgie so grundlegend verändert wie die Anästhesie. Was heute als selbstverständlich gilt – schmerzfreie Operationen und sichere Narkosen – war noch vor rund 200 Jahren undenkbar. Ein Blick in die Geschichte zeigt eine Entwicklung, die von mutigen Experimenten, wissenschaftlichen Durchbrüchen und engagierten Persönlichkeiten geprägt ist.
Den Anfang machte im Jahr 1846 eine öffentliche Demonstration der Äthernarkose durch William T. G. Morton in den USA. Erstmals konnte ein Patient operiert werden, ohne Schmerzen zu empfinden – ein Meilenstein der Medizingeschichte. Bereits kurz darauf führte James Simpson das Chloroform ein. Beide Verfahren waren jedoch nicht ohne Risiken.
Im weiteren Verlauf etablierte sich Lachgas als Betäubungsmittel, insbesondere in der Zahnmedizin. Einen großen Fortschritt brachte 1956 das Inhalationsanästhetikum Halothan, das eine besser steuerbare und sicherere Narkose ermöglichte als die zuvor verwendeten Substanzen wie Äther. Diese Entwicklungen legten den Grundstein für die moderne Anästhesie.
Mit dem medizinischen Fortschritt veränderte sich auch die Praxis: Heute sind viele Eingriffe ambulant möglich. Moderne Verfahren der Perfusion – also die gezielte Versorgung des Körpers mit Sauerstoff und Medikamenten – sowie präzise steuerbare Narkosemittel erlauben es, dass Patientinnen und Patienten oft noch am selben Tag nach Hause zurückkehren können. Heute ist die Anästhesie eine hoch spezialisierte Disziplin, die weit über das „Einschläfern“ hinausgeht. Sie umfasst Intensivmedizin, Schmerztherapie und Notfallmedizin. Moderne Überwachungssysteme sorgen für ein Höchstmaß an Sicherheit.
Ein besonderer Ort der Medizingeschichte ist das Anästhesie-Museum in Stolzenhagen
Ein eher verborgenes, aber beeindruckendes Kapitel der Anästhesiegeschichte befindet sich bei uns in der Gemeinde Wandlitz. Im Ortsteil Stolzenhagen betreibt Dr. Volkmar Wünscher ein privates Anästhesie-Museum.
Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Museum im üblichen Sinne, sondern um einen sehr persönlichen Ausstellungsort. In einer umgebauten Datsche hat Dr. Wünscher über viele Jahre hinweg eine Sammlung zusammengetragen, die die Entwicklung der Anästhesie anschaulich widerspiegelt. Die Ausstellung nimmt die Besuchenden mit auf eine Reise durch mehrere Jahrzehnte Medizingeschichte. So ist dieser Ort weit mehr als eine reine Ausstellung: Er zeigt, wie eng medizinischer Fortschritt und persönliche Leidenschaft miteinander verbunden sein können – und wie ein ganzes Berufsleben in einer Sammlung lebendig bleibt.
Zu sehen sind historische Narkosegeräte, ältere Überwachungsinstrumente und moderne Technik im Vergleich. Besonders deutlich wird dabei, wie sich die Sicherheit und Kontrolle während Operationen im Laufe der Zeit verbessert haben. Neben der Technik spielen auch Erinnerungen eine wichtige Rolle. Kleine persönliche Gegenstände und Geschenke – etwa ein Bocksbeutel von einer Kollegin – verleihen der Sammlung eine menschliche Note und erzählen Geschichten aus dem Berufsleben.
Es muss ein besonderes Glück sein, wenn man als langjährig tätiger Anästhesist auf sein Berufsleben zurückschaut und sagen kann, dass die Arbeit zugleich ein Hobby gewesen sei. Ein Satz, der zeigt, wie viel Leidenschaft in diesem oft im Hintergrund wirkenden Fachgebiet steckt.
Herzlichen Dank Herr Dr. Wünscher für diesen Vortrag und für ihr Engagement in unserer Gemeinde.
Das Museum kann nach vorheriger Absprache (Tel. 033397 21094) besucht werden.
Wenn auch Sie als Stolzenhagenerin oder Stolzenhagener ein besonderes Hobby oder andere Aktivitäten und Erinnerungen haben, die Sie gern teilen möchten, melden Sie sich bitte beim Ortsvorsteher, Andreas Kinski (hallo@andreaskinski.de).
„Stolzenhagen, echt schön hier!“

