Gewalt.Passiert.Täglich.Neben.Dir.
Ein ganzes Jahr häusliche Gewalt, verdichtet auf ein Wochenende: Der Wandlitzer Verein „Initiative Zukunft Ohne Gewalt – Gewaltfreie Familien, Beziehungen, Gesellschaft“ zeigt am 19. und 20. September in Berlin eine begehbare Installation. Wer nicht hinfahren kann, betritt sie online.
Denken Sie an zehn Männer, die Sie gut kennen. Nachbarn, Kollegen, Schwäger, Vereinskameraden. Statistisch sagt die „Initiative Zukunft Ohne Gewalt“, ist mindestens einer darunter, der in seiner Familie oder Beziehung Gewalt ausübt oder ausgeübt hat.
Was sagen die Zahlen konkret?
267.201 Fälle zählt die Polizei für 2024 im Bereich Gewalt im sozialen Nahbereich. Mehr als 730 an jedem Tag, rund alle zwei Minuten eine Person. Sieben von zehn Tatverdächtigen sind männlich. Das ist das Hellfeld. Also das, wovon jemand erfahren hat.
Was im Dunkeln bleibt, hat das Bundeskriminalamt im Februar 2026 zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren wieder untersucht. Die Dunkelfeldstudie LeSuBiA befragte 15.000 Menschen zwischen 16 und 85 Jahren. Ihr zentrales Ergebnis: Bei Gewalt in Partnerschaften werden weniger als fünf von hundert Taten angezeigt. Hochgerechnet heißt das: Auf jeden erfassten Fall kommen etwa neunzehn, von denen niemand erfährt.
Erfasst wurden 267.201 Fälle. Tatsächlich passiert sind hochgerechnet 5,3 Millionen. In rund 3,7 Millionen davon hat ein Mann die Gewalt ausgeübt. Statistisch gesehen kennt jeder Mann mindestens einen anderen Mann, der Gewalt im sozialen Nahbereich ausübt.
Ein Verein aus Wandlitz
Hinter der Installation steht die Wandlitzer „Initiative Zukunft Ohne Gewalt – Gewaltfreie Familien, Beziehungen, Gesellschaft e. V.“, kurz IZOG. Sie wurde Ende 2020 von Wiebke Wiedeck gegründet. Die Diplom-Psychologin und Diplom-Pädagogin arbeitet als Autorin und Coachin und hat das Emotions- und Körperzentrierte Coaching EKC® entwickelt. Über 5.000 Frauen hat sie begleitet. Etwa 80 Prozent von ihnen hatten Gewalt in Familie oder Beziehung erlebt.
Der Verein geht einen eigenen Weg. Er richtet den Blick auf die Personen, die Gewalt ausüben, und auf die gesellschaftlichen Bedingungen dahinter. Ein Satz trägt die gesamte Arbeit: „Jede Gewalttat ist eine bewusste Entscheidung.“
Der Satz klingt sehr absolut. Dabei macht er Hoffnung. Wer sich entscheidet, hat eine Wahl. Genau da setzt Prävention an.
Was die Installation zeigt
Seit mehreren Jahren führt IZOG eine bundesweite Erhebung durch. Befragt wurden Vereine und Institutionen aus Gewalthilfe und Gewaltprävention sowie Menschen mit eigener Gewalterfahrung im sozialen Nahbereich. Am 19. und 20. September werden die Ergebnisse zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. In einer interaktiven Installation werden die Besucher:innen angeregt, sich mit den Ergebnissen der Erhebung auseinanderzusetzen. Klänge, Projektionen, Lehrtafeln, Flüsterstimmen, Livemusik laden dazu ein, die Perspektive zu erweitern und Teil einer Zukunft ohne Gewalt zu werden.
Der Eintritt ist frei und jede:r ist herzlich eingeladen.
Der Autor ist Mitglied der Initiative Zukunft Ohne Gewalt seit ihrer Gründung.

Gewalt.Passiert.Täglich.Neben.Dir.
19. und 20. September 2026, Tanzhalle Wiesenburg, Wiesenstraße 55, 13357 Berlin.
Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr, Eintritt frei.
Virtuell jederzeit unter https://izog.de/installation.
Alles zur Ausstellung und zur Erhebung: https://izog.de/gewalt-passiert-taeglich-neben-dir.
Zum Begriff Simularchat: https://izog.de/simularchat.
Unterstützt von der Sparkasse Barnim.
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016, rund um die Uhr. Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 9900. Nummer gegen Kummer: 116 111. Beratung für Menschen, die Gewalt ausüben oder befürchten, es zu tun: 0800 70 222 40. Telefonseelsorge: 0800 111 0 111.
Verfasser:in:
Harald Rauh, Wandlitz
