Hospiz- und Palliativversorgung

In Wandlitz soll ein Hospiz gebaut werden. Rund um den Begriff und die Einrichtung gibt es mitunter Missverständnisse, auch mangels Erfahrung. Abhilfe könnte der folgende Beitrag schaffen.

Die moderne Hospiz- und Palliativversorgung ist in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in England entstanden. Treibende Kraft war Cicely Saunders. Ihr war es wichtig, schwer kranken Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen. 1967 wurde von ihr im Süden Londons das St. Christopher`s Hospice gegründet. Es dauerte fast 20 Jahre, bis danach in Deutschland erste Hospize und Palliativstationen gegründet wurden. Vor allem Hospize hatten den Ruf, dass dorthin alle Sterbenden abgeschoben und weggeschlossen werden. Sterbende würden dort stigmatisiert und isoliert. Diese Annahmen haben mit der Hospiz- und Palliativversorgung nichts zu tun. Den tatsächlichen Geist und die Haltung der Hospiz- und Palliativbewegung bringt ein Zitat von Cicely Saunders auf den Punkt: „Du bist wichtig, weil Du eben Du bist. Du bist bis zum letzten Augenblick des Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit Du nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben kannst“.

 

Hospize sind lebensbejahende Orte. Der kranke Mensch steht im Mittelpunkt, seine Bedürfnisse und die seiner Angehörigen. Ziel von hospizlicher und palliativer Versorgung sind die Förderung der Lebensqualität und die Linderung von Leid. Dafür reicht es nicht, einfach nur starke Medikamente zu geben. Der Mensch besteht nicht nur aus dem Körper.  Auch die soziale, die psychische und die spirituelle Ebene sind wichtig. Dabei ist Spiritualität nicht gleich Religion. Spiritualität beinhaltet z.B. die Fragen nach dem Sinn des eigenen Lebens und der Krankheit, mit sich und dem eigenen Leben weitgehend im Reinen zu sein, aber auch der Glaube, was nach dem Tod kommt.

 

Schwerkranke Menschen können unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse am Lebensende haben. Die meisten wollen für ihre Lieben keine Last sein, keine Schmerzen haben und nicht leiden. Manche möchten und brauchen sehr viel Zuwendung, andere lieber ihre Ruhe. Neben dem Wunsch, lieben Menschen nahe zu sein, wird auch der Wunsch nach Natur und einer schönen Umgebung genannt. Manche möchten sich noch einen Traum erfüllen, noch einmal einen bestimmten, bedeutsamen Ort sehen, oder haben das Bedürfnis, aufzuräumen und Konflikte zu klären.

 

Angehörige Schwerkranker verlieren einen geliebten Menschen, was viele sehr belastet. Manche entwickeln nach Verlust eine Trauer, die einer professionellen Unterstützung durch Therapie bedarf. Studien haben gezeigt, dass ein als schlimm oder schwierig erlebter Tod das Risiko für so einen belastenden Trauerverlauf deutlich erhöht. Um so wichtiger ist, dass auch Angehörige sich gut unterstützt fühlen und auch für Sie Umgebung und Ambiente so angenehm wie nur möglich sind.

 

Es braucht palliativ qualifizierte Fachkräfte und hospizlich qualifizierte Ehrenamtliche, die genau diese Arbeit sinnhaft und wichtig finden. Trotz der vielen Todesfälle ist es für die meisten dort Tätigen eine zutiefst befriedigende Arbeit. Cicely Saunders wird mit dem Satz zitiert: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Jede:r Einzelne, die: der im Hospiz arbeitet, trägt genau dazu bei.

Bildnachweis: Urs Münch

Urs Münch lebt in Wandlitz, ist Psychologe und Psychotherapeut und arbeitet als Psychoonkologe und Ethikbeauftragter für die DRK Kliniken Berlin. Seit 2018 ist er Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.




Verfasser:in:
Urs Münch, Wandlitz

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