Chor Jubilate: ein herausforderndes Projekt!
Der Chor hat sich einiges vorgenommen, im September wird Premiere sein für ein ganz besonderes Projekt. Zu Filmausschnitten soll die passende Filmmusik eingesungen werden. WPunkt im Gespräch mit dem Chorleiter Heiner Schulz und Mitgliedern des Vorstandes des Vereins Chor Jubilate Wandlitz e.V.
WPunkt: Was liegt denn da Großes in der Luft, worauf wir uns im Herbst freuen können?
Heiner Schulz: Ich hatte einen Traum, den ich dem Chor vorgestellt habe: zu bekannten Filmauschnitten und eingespielter Filmmusik soll der Chor live singen, ähnlich wie bei Karaoke. Ich dachte mir die Idee passt zu uns, da wir schon zehn Lieder aus Filmmusiken im Repertoire haben. Ich dachte, die Ergänzung um weitere zehn Lieder ist dann keine große Sache mehr.
Alle müssen an dieser Stelle lachen 😊
Das war vor 1,5 Jahren und daran kann man schon erkennen, dass das ein Trugschluss war. Sicher ist aber, dass am 20. September unsere große Party mit Filmmusiken im Goldenen Löwen steigen wird!
WPunkt: Was ist denn so herausfordernd, sind die Stücke so schwer zu singen?
Heiner Schulz: Wir haben den Chor für das Projekt im Januar geöffnet, d.h. es singen auch Freunde und Bekannte mit, die nicht Mitglieder bei Jubilate sind, es aber im Zuge dieses Projektes gerne werden können. Es ist schon Arbeit, die Sätze sind nicht die einfachsten und die neuen Sänger:innen mussten ja die zehn im Chor schon bekannten Lieder auch erst einmal lernen.
Wirklich herausfordernd ist die Finanzierung für das Projekt.
Dr. Artur Wilde: Wir haben einen Spendenaufruf gestartet, einige Chormitglieder sind direkt zu ansässigen Firmen gegangen und haben für das Projekt geworben. Wir lassen ein Programmheft zeichnerisch gestalten und dort werden Anzeigen und Werbung geschaltet, und das Programmheft mit unseren zwanzig ausgewählten Liedern wird zum Auftritt verkauft. Außerdem haben wir Unterstützung für dieses Projekt von der Gemeinde aus den Ortsteilmitteln bekommen, und die Sparkasse Barnim unterstützt uns auch.
Beate Bramer: Ja, und nicht zu vergessen, die NEB möchte uns auch unterstützen, wir werden ja am 6. Juni zum 125-Jubiläum der NEB als Chor ein Konzert auf dem Betriebshof in Basdorf geben. Natürlich zahlen unsere Mitglieder auch einen Jahresbeitrag, den wir dann noch zur Verfügung haben.

WPunkt: Wofür wird denn das Geld gebraucht?
Heiner Schulz: Wir brauchen das Geld vor allem, um die Filme zeigen zu können. Die GEMA-Gebühren für Musik spielen dagegen keine Rolle, denn wir sind über den Chorverband von den Gebühren befreit. Die Karaoke-Dateien sind für einen geringen Obolus von ca. 3 € pro Stück zu haben, aber das mit den Lizenzen für die Filme habe ich mir einfacher vorgestellt.
Die Lizenzen, d.h. die Verleiher bzw. die Rechteinhaber für die zwanzig Filme sind sehr unterschiedlich: nur zwei Filmausschnitte dürfen wir kostenlos zeigen, vier Filme laufen über eine Sammellizenz, die für 700 € zu haben ist. Die Filmausschnitte sind dabei maximal fünf Minuten lang und dürfen nur einmal gezeigt werden. Drei Filme hat man uns verboten zu zeigen, da sind wir dann gezwungenermaßen auf Szenenfotos ausgewichen. Diese Szenenfotos sind allerdings auch lizensiert und kosten 1.300 €. Durch diesen Plan B und durch die dankenswerte Unterstützung des Barnim Panoramas, das uns Fotos aus Wandlitz aus den 1950iger Jahren zur Verfügung stellt, konnten wir die Lizenzkosten von ursprünglich 13.500 € auf rd. 4.000 € senken.
Sehr viel Zeit und Erfindungsreichtum ist in dieses für uns neue Feld für die Auswahl und Einwerbung der Lizenzen für die Filmausschnitte geflossen. Ich habe aber nicht nur über diese Formalitäten viel gelernt, sondern auch sehr viel über die Filmgeschichte, den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm während der Arbeit an diesem Projekt.
Und jetzt kommt das Neue für die Chormitglieder unter dem Motto „Wir sind von Kopf bis Fuß auf Tonfilm eingestellt“. Während sie normalerweise auf die Hände des Dirigenten sehen und damit geführt werden, ist jetzt die Synchronität mit der Filmmusik, dem Filmausschnitt entscheidend. Im Hintergrund läuft ja der entsprechende Filmausschnitt, der Chor steht im Dunkeln und kann nicht gut ablesen.
Heidi Simon: Ja, jetzt kommt es darauf an, dass der Einsatz mit der Musik klappt. Es sind immerhin zwanzig verschiedene Lieder, die wir am besten auswendig können sollten, damit wir uns auf den Einsatz konzentrieren können. Das ist für uns neu, viele neue Texte außerdem. Wir sind ja auch nicht mehr so ganz jung und lernen immer dazu. Heiner macht sich viel Arbeit, er hat uns Karaoke-Dateien zur Verfügung gestellt, mit denen wir zuhause üben können. Auch wenn wir es vielleicht nicht schaffen werden, alles auswendig zu können, sollten wir die Melodie parat haben und nur den reinen Text ablesen.
Beate Bramer: Es ist ja auch nicht alles in Deutsch, also eine weitere Herausforderung. Bühne, Notenpulte, wird man auch nicht geblendet, das alles sind Herausforderungen. Wir hatten aber auch schon eine Probe im Goldenen Löwen und für einen Film ohne Lizenzgebühr auch schon vor Publikum, das begeistert war.


WPunkt: Was wird denn heute für den Auftritt im September verraten?
Heiner Schulz: Wir werden “Conquest of Paradise“ singen aus dem Film „1492 – Die Eroberung des Paradieses“, auch bekannt als Antrittslied von Henry Maske. Das ist ein Historienfilm über die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus. Außerdem singen wir „Halleluja“ aus dem Film „Shrek – Der tollkühne Held“ und auch das sei noch verraten „Die drei Haselnüsse“ in der Schlagerversion.
Ansonsten wollen wir unser Publikum einladen, sich überraschen zu lassen, denn es wird sicher ne runde Sache, die wir da präsentieren werden.
Chor Jubilate stellt sich vor
Chor Jubilate seit Oktober 1999, angeregt durch ein Treffen mit dem Chor „Groupe Vocal Crescendo“ unsere Partnergemeinde La Ferrière aus Frankreich. Joseph Lang leitete 11 Jahre lang den gemischten Chor, dann übernahm Heiner Schulz.
Viele Konzerte und gemeinsame Auftritte mit dem Folkloreensemble „Trzebiatowiacy“ und dem Chor „Cantare“ aus der polnischen Partnergemeinde Trzebiatów sowie mit dem Chor „Wa-Canto“ des Gymnasiums Wandlitz machen uns viel Freude. Wir haben eine Reihe „Hereinspaziert – wir singen“ im Juli und November im Anglerheim bei lockerem Zusammensein neben den Konzerten zu Weihnachten, Benefiz und ähnliches.
Wir treffen uns jeden Donnerstag ab 19.00 Uhr zum fröhlichen Singen und gemütlichem Beisammensein im Foyer der Grundschule Wandlitz!
Lust mitzumachen, aber Schwellenangst oder keine Notenkenntnis? Kein Hinderungsgrund, wir alle sitzen donnerstags im selben Boot. Man hat zwar den Eindruck, alle wissen sofort, was sie tun – das stimmt aber nicht. Auch 30 Jahre nach der Gründung haben wir noch Chormitglieder, die die Notenschrift nur wenig oder gar nicht beherrschen.
Kontaktaufnehmen und vorkommen!
E-Mail: chorjubilate.wandlitz@web.de.


Verfasser:in:
Heidi Simon, Chor Jubilate e.V., Öffentlichkeitsarbeit
