Sehnsuchtsort Wochenmarkt

Vom leisen Zauber eines einfachen Platzes

Es ist kein spektakulärer Ort. Kein Konzertsaal, kein politisches Forum. Und doch geschieht hier etwas, das wir anderswo oft vermissen.

 

Der Wochenmarkt.

Am einen der schönsten Aussichtspunkte unseres Ortes: am Ausgang des Bahnhofs Wandlitzsee.

 

Zwischen Käse, Gemüse, Tortellini und Brot entsteht ein Raum, der sich nicht planen lässt. Menschen kommen, bleiben stehen, kommen ins Gespräch. Man kennt sich – oder beginnt, sich kennenzulernen. Es ist ein Kommen und Gehen, und doch entsteht für einen Moment so etwas wie Gemeinschaft.

 

Vielleicht liegt genau darin seine Kraft:

Der Markt verlangt nichts – und schenkt gerade deshalb so viel.

 

Er ist offen.

Er ist durchlässig.

Er ist menschlich.

 

Hier muss niemand etwas darstellen. Niemand muss recht haben. Niemand muss bleiben. Und doch bleiben viele. Nicht wegen der Ware allein, sondern wegen der Begegnung.

 

Mitten in diesem lebendigen Strom steht seit einiger Zeit unser Cafe-Stall-Mobil. Betrieben von Freiwilligem, Eigentum der Evangelischen Kirche.

 

Ein roter APE-Roller, das italienische Dreirad, ein paar Tassen, etwas Kuchen – mehr braucht es nicht. Und doch geschieht etwas Eigenartiges: Menschen nehmen sich Zeit. Sie bleiben stehen, trinken einen Cappuccino, kommen ins Gespräch. Fremde werden für einen Moment zu Vertrauten. Aus Nebeneinander wird Miteinander.

 

Rund 100 Cappuccinos und 40 Stück Kuchen an einem Samstag – das sind Zahlen. Aber sie erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte besteht aus Blicken, aus Lächeln, aus kleinen Sätzen, die hängen bleiben.

 

Was hier entsteht, ist kein Programm.

Es ist ein Raum.

 

Ein Raum, in dem man einfach da sein darf.

Ein Raum, in dem Unterschiede nicht sofort zu Gegensätzen werden müssen.

 

Vielleicht ist der Wochenmarkt deshalb ein Sehnsuchtsort.

 

Weil er etwas stärkt, das unsere Gesellschaft dringend braucht:

die Fähigkeit, einander auszuhalten, zuzuhören und ins Gespräch zu kommen.

 

Demokratie lebt nicht nur von Wahlen und Institutionen.

Sie lebt von Begegnung.

 

Von Orten, an denen Menschen sich sehen, sich wahrnehmen, sich widersprechen können – ohne sich gleich zu verlieren.

 

Der Wochenmarkt in Wandlitz ist so ein Ort.

 

Still.

Unaufdringlich.

Und doch von großer Bedeutung.

 

Vielleicht beginnt hier, zwischen Kaffeetasse und Kuchenteller, genau das,

was unsere Gesellschaft zusammenhält.

Jetzt wieder regelmäßig jeden Samstag von 8 bis 13 Uhr: Wochenmarkt auf dem Bahnhofsvorplatz Wandlitzsee. Bildnachweis: Mathis Oberhof mit KI



Verfasser:in:
Mathis Oberhof, Mitglied im Gemeindekirchenrat der evangelischen Gemeinde Basdorf-Wandlitz-Zühlsdorf

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