Wandlitzer Künstler:innen und Kunstschaffende: Ben Schieler – Schreiben ist ein stückweit denken für mich

Unter dem Pseudonym Marc Bensch schreibt er Romane, kurze Erzählungen und Gedichte. Nachdenklich und intensiv erforscht er dabei eigene Positionen und Verhaltensweisen. Im Gespräch mit WPunkt: Ben Schieler, Autor.

WPunkt: Ben, wie ist dein Lebensweg bis zum Autoren verlaufen?

Ben Schieler: Ich komme aus Stuttgart, bin 1980 als Silvesterkind geboren und habe bis vor zwei Jahren in Stuttgart gearbeitet und gelebt. Nach dem Abitur habe ich als Journalist unter anderem für die Stuttgarter Zeitung gearbeitet, dann folgte in Würzburg das Studium der Politikwissenschaften, Geschichte und Psychologie. Dann bin ich wieder nach Stuttgart und zur Stuttgarter Zeitung zurück, für die ich eine Innenstadtausgabe mitaufgebaut habe.

 

2011 habe ich aber gemerkt, dass ich noch stärker literarisch schreiben möchte und mich darauf konzentriert. 2012 erschien erstmals eine Erzählung von mir, „Klaus und das Meer“, sie ist leider inzwischen vergriffen. 2019 folgte der Roman „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“.

Ben Schieler, Autor, lebt seit 2024 in Wandlitz und veröffentlicht auch unter Marc Bensch, Bildnachweis: Stephanie Bothe

Ich habe an Wettbewerben teilgenommen und z. B. 2011 den Autorenwettbewerb der Jungen Verlagsmenschen gewonnen und 2017 im Rahmen der Baden-Württembergischen Literaturtage den dritten Preis erhalten. Ich wurde auch durch Stipendien gefördert z. B. 2012 vom Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg, dadurch konnte ich für ein paar Monate nach Palermo zum Schreiben gehen. Ein weiteres Stipendium hatte ich 2020 von der Landeshauptstadt Stuttgart.

Seit 2015 arbeite ich gleichzeitig in der Unternehmenskommunikation, das ist auch heute noch mein Broterwerb. Außerdem bin ich Pressesprecher der deutschen Nationalmannschaft im Para Skilanglauf und Para Biathlon, die sich aktuell auf die Paralympics in Italien vorbereitet.

 

Seit 2024 Jahren wohnen meine Frau und ich in Wandlitz. Sie kommt aus der Nähe von Cottbus und hat sich nach der Weite und den Seen zurückgesehnt. Wir fühlen uns hier sehr wohl, es gefällt uns sehr gut.

WPunkt: Du deckst ja mit Arbeiten und dem literarischen Schreiben ein breites Feld ab, welchem Genre ordnest du dich zu?

Ben Schieler: Klar kommen die Arbeitsaufträge immer mal geballt und ich muss mich in die unterschiedlichen Themen in der Unternehmenskommunikation natürlich auch einarbeiten, ebenso in die Sportthemen. Aus meiner Journalistentätigkeit bin ich das aber gewohnt und durch diesen Broterwerb bin ich unabhängig und muss nicht um jeden Preis veröffentlichen. Ich bin froh, dass ich schreiben kann, das empfinde ich als Privileg. Es gibt auch immer Phasen ohne Aufträge im Brotjob, in denen ich mich ganz der Kreativität und dem literarischen Schreiben widmen kann, dafür bin ich sehr dankbar.

 

Es ist nicht einfach, einen Verlag für eine Veröffentlichung zu finden und ich will und muss mich zum Glück auch nicht allen Änderungswünschen von Verlagen beugen. Für „Die unverhoffte Genesung der Schildkröte“ habe ich den Carpathia Verlag aus Berlin-Kreuzberg gewinnen können, mit dem ich sehr konstruktiv an Anpassungen des Romans gearbeitet habe, ohne dass ich mich verbiegen musste. Ich freue mich natürlich über eine Veröffentlichung, bin aber nicht verbissen da hinterher.

 

Ich bin nicht ganz glücklich mit einer Kategorisierung, Gegenwartsliteratur trifft es zwar, ist aber ein breites Feld. Ich schreibe in letzter Zeit eher Erzählungen und Miniaturen. Einige meiner jüngsten Werke tragen autofiktionale Züge, zum Beispiel meine Erzählung „Korfu verlassen und sterben“, die in der Anthologie „Trotzdem“  erschienen ist. Im Erzählband „Der Seitensprung“  geht es um die menschliche Natur.

 

Das Schreiben folgt bei mir meist einem Impuls, einer Begegnung oder einer Beobachtung zu Beginn, der ruht auch manchmal und ich verfolge ihn erst später weiter. Ich schöpfe dabei aus dem, was aus mir kommt. Aus dem Gefühl für die Zeit entwickeln sich dann Themen. Geprägt sind diese Themen natürlich auch durch mein Studium der Sozialpsychologie in Verbindung mit den Politikwissenschaften, es geht also oft darum, wie die Gesellschaft funktioniert, was muss man tun damit sie funktioniert und welche Rückwirkungen auf unser Selbst hat das. Meine Person steht dabei nicht immer im Mittelpunkt, ist vielleicht eher Ankerpunkt oder nimmt eine Nebenrolle in der Geschichte ein.

WPunkt: Haben es die Verlage schwer und steckt die Branche auch wegen KI nicht in einer Krise zurzeit?

Ben Schieler: Ja, die Branche steckt in der Krise, aber das hat zumindest momentan noch weniger mit KI zu tun, sondern eher mit sinkenden Verkaufszahlen und steigenden Papierpreisen. Viele Verlage setzen daher notgedrungen eher auf Bewährtes und auf bekanntere Autor:innen, wobei es nach wie vor Verlage gibt, die auch ins Risiko gehen und überraschende Literatur verlegen. Für Schreibende sind die Sparzwänge der öffentlichen Hand aber noch dramatischer, weil in der Kulturförderung viel zusammengestrichen wird und Förderungen wegfallen. Das bekommt unter anderem das Literaturkollegium Brandenburg zu spüren, einem Verein, dessen Mitglieder Lesungen organisieren, für die es aber meistens, wenn überhaupt, nur ein kleines Honorar gibt. Die VG Wort ist für Schriftsteller:innen eine wichtige Einnahmequelle, für mich trifft das eher auf den journalistischen Bereich zu. Ich selbst nutze KI übrigens nur zur Recherche und im Bewusstsein, dass man das Ergebnis immer überprüfen muss. Fürs Schreiben nutze ich sie nicht, das mache ich immer selbst.

 

WPunkt: Du hattest gerade eine Lesung im Café Stall im alten Dorfkern von Wandlitz, wie ist die angenommen worden?

Ben Schieler: Meine Lesung kurzer Texte „Träumen wir noch oder schlafwandeln wir schon?“ Ende Januar im Café Stall wurde gefördert durch den Brandenburgischen Literaturrat aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur. Danke dafür an dieser Stelle, so eine Unterstützung ist wie eben schon erwähnt sehr wichtig. Die Lesung war sehr gut besucht und es wurde lebhaft diskutiert und nachgefragt. Das hat mir sehr gut gefallen, ich halte diesen Austausch für sehr wertvoll.

 

Über Melanie Brauchler von der Wandlitzer Buchhandlung hatte ich hier auch schon eine sogenannte Gartenlesung und eine Lesung in einer Seniorenunterkunft durchführen können und Ende März nehme ich am Barnim Slam im Kulturbahnhof Biesenthal teil.

 

Mir machen Lesungen sehr viel Spaß, die Erwartungen des Publikums sind aber unterschiedlich. Es freut mich, wenn die Zuhörer:innen Lust haben und sich Zeit nehmen, sich aufs Grübeln einzulassen. Im Gespräch nach der Lesung braucht es immer einen Anstoß, eine erste Frage, dann entwickelt sich bei einer Lesung ein schöner Austausch, im Alltag dagegen merke ich zunehmend eine Verhärtung der Positionen.

 

WPunkt: Warum veröffentlichst du unter dem Namen Marc Bensch?

 

Ben Schieler: Das ist eine alte Geschichte und eigentlich schon überholt. Ich habe mir dieses Pseudonym 2006 gegeben, weil ich damals das der Objektivität verpflichtete journalistische Arbeiten und das sehr subjektive literarische Schreiben klar voneinander trennen wollte. Mein vollständiger Name ist Marc Benjamin Schieler, so kam ich auf Marc Bensch. Inzwischen schreibe ich aber auch literarische Texte als Ben Schieler.

Lesung von Ben Schieler im Café Stall von kurzen Texten „Träumen wir noch oder schlafwandeln wir schon?“ Bildnachweis: Andrea Schneider

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