Ein Haus in dem das Leben bewusst gestaltet wird:

zu Gast im Hospiz am Wandlitzer See

Wer das Hospiz am Wandlitzer See betritt, spürt schnell, dass hier ein besonderer Ort entstanden ist. Eingebettet in die Natur, mit Blick ins Grüne und einem ruhigen Innenhof, stehen hier nicht Krankheit und Abschied im Mittelpunkt, sondern die Menschen selbst- mit ihren Wünschen, ihrer Geschichte und den Momenten, die das Leben bis zuletzt lebenswert machen.

 

Vogelstimmen begleiten den Tag, von allen Zimmern führt der Blick direkt ins Freie. Jedes Gästezimmer verfügt über eine eigene Terrasse. Die Betten können hinausgeschoben werden, damit Gäste Sonne, Wind oder den Blick in die Bäume genießen können. Ein Pony vom benachbarten Reiterhof besucht regelmäßig das Hospiz, Musiktherapie, Klangschalenangebote und seelsorgerische Begleitung schaffen weitere Möglichkeiten, den Alltag nach individuellen Bedürfnissen der Gäste zu gestalten.

 

Auch die Gestaltung des Hauses trägt dazu bei, eine Atmosphäre von Geborgenheit entstehen zu lassen. Die therapeutische Badewanne mit Sternenhimmel, selbst gekochte Lieblingsgerichte aus der hauseigenen Küche oder gemeinsames Singen im offenen Wohnbereich sind kleine Bausteine einer Haltung, die sich durch das gesamte Hospiz zieht: Jeder Mensch soll sich angenommen fühlen und die verbleibende Zeit möglichst selbstbestimmt erleben können.

Eingang zum Hospiz am Wandlitzer See, Bildnachweis: Christian Weische

Zeit schenken- was Hospizarbeit ist und bedeutet. Ein Interview mit Juliane und Kerstin, zwei Kinderkrankenschwestern die mit Herz und viel Engagement im Hospiz arbeiten:

Kerstin und Juliane im Innenhof vor den Baumscheiben, Bildnachweis: WPunkt

WPunkt: Ihr habt beide als Kinderkrankenschwestern gearbeitet. Nehmt ihr dadurch den Kreislauf des Lebens noch bewusster wahr?

Kerstin: Ja, auf alle Fälle. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man Menschen von der Geburt an über alle Phasen ihres Lebens begleiten darf. Hier in unserem Hospiz schließt sich der Kreis des Lebens. Für uns ist es ein Geschenk unsere Gäste in dieser besonderen Zeit begleiten zu dürfen.

 

Juliane: Im Mittelpunkt steht die Zeit mit dem Gast, in der er wenig Symptomlast erlebt und seine Lebensqualität genießen kann. Wenn uns das gelingt und auch kleine schöne Momente ermöglicht werden, hilft uns das allen. Manche Angehörige schlafen mit im gleichen Zimmer und begleiten ihre Lieben.

 

Diese Arbeit macht schon etwas mit einem, man weint natürlich auch mal und nimmt etwas mit nach Hause. Man bedenkt wiederum auch vieles, sieht es aus einem anderen Blickwinkel. Ich hatte in einer Ehrenamtsschulung einen Teilnehmer der das ganz richtig beschrieben hatte: „Das Hospiz ist eine Lebensschule, ich werde vieles bedenken und anders machen.“

 

WPunkt: Juliane, du hast eben das Ehrenamt angesprochen. Was genau bedeutet das und sucht ihr noch Ehrenamtliche?

 

Juliane: Ja, sehr gerne sollen sich Interessierte an der ehrenamtlichen Hilfe im Hospiz hier bei mir ganz unbürokratisch melden ( Juliane Passauer, Kirchstr. 11, Tel: 033397-4991-0). Gerne lade ich dann zu einem Gespräch und Besuch ein, zeige die Einrichtung, und man erhält einen ersten Eindruck, zum Beispiel bei einen gemeinsamen Kaffeetrinken oder einer kleinen Aktion.

 

Ein wesentlicher Bestandteil der Hospizarbeit ist das Ehrenamt. Viele Menschen engagieren sich bewusst, um Gästen Zeit zu schenken- sei es durch Gespräche, Vorlesen, Kochen oder Kreativität.

 

Bevor sie diese Aufgabe übernehmen, absolvieren alle Ehrenamtlichen eine 40-stündige Schulung, die an mehreren Wochenenden stattfindet und mit einem Zertifikat abschließt. Die Tätigkeit erfolgt vollständig ehrenamtlich und ohne Aufwandsentschädigungen.

 

Für unser Team ist diese Unterstützung von unschätzbarem Wert. Sie schafft Freiräume für intensive pflegerische Begleitung und ermöglicht gleichzeitig noch mehr persönliche Zuwendung.

WPunkt: Wer ist hier im Hospiz denn generell an der Betreuung beteiligt und wie sieht es mit einer ärztlichen Versorgung aus?

Juliane: Hauptamtlich arbeiten hier Pflegefachkräfte die in drei Schichten eine 24/7 Betreuung und Pflege für unsere Gäste leisten. Wir haben zusätzlich ein Team für die Hauswirtschaft, die jeden Tag frisch kochen und diesen wunderbaren Ort mit viel Herz pflegen.

 

Kerstin: Auch kooperierende Firmen betreuen uns hier. Dazu zählen Physiotherapie, Zahnarzt, Fußpflege, Friseur, Musiktherapie und Apotheke.

 

Merle Weiden (PDL): Die medizinische Versorgung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Palliativmedizinerinnen- und medizinern sowie dem Palliative-Care-Team Barnim Uckermark und Nordost. Grundsätzlich können wir mit jedem Arzt/jeder Ärztin zusammenarbeiten, die eine SAPV- Zusatzausbildung vorweisen können.

 

Aktuell suchen wir noch eine Pflegefachkraft in Teilzeit.

 

Unser Team erhält einmal im Monat Supervision. Außerdem gibt es regelmäßige Fallbesprechungen, Teambesprechungen und Events.

Teambild, entstanden in einer Teamschulung, Bildnachweis: WPunkt
Therapeutische Badewanne im Hospiz, Bildnachweis: Christian Weische

WPunkt: Wir sitzen nun hier im wunderschönen Innenhof des Hospizes und mir fällt vorallem der Baum in der Mitte auf, mit all den kleinen Baumscheiben. Was hat es damit auf sich?

 

Juliane: Mit Eröffnung des Hospizes entstand die Idee, den Gästen ein sichtbares Zeichen ihrer Zeit hier im Haus mitzugeben. Ein Ritual zu entwickeln, bei dem wir Gedenken können. Jeder Gast erhält bei seiner Ankunft eine individuell gestaltete Baumscheibe mit seinem Namen. Diese wird an seine Zimmertüre gehängt. Verstirbt der Gast, wird diese zusammen mit den Angehörigen an unseren Erinnerungsbaum gehängt. Dort verweilt sie solange, bis wieder eine Verstorbenengedenkfeier stattfindet. Zu dieser Feier, werden die Scheiben abgenommen und rund um das Hospiz zurück an die Erde gegeben. Wind, Sonne und Jahreszeiten begleiten die kleinen Holzscheiben und machen den natürlichen Kreislauf des Lebens sichtbar. Uns ist es wichtig, dass mit dem Versterben der Gast nicht einfach „verschwunden“ ist, sondern nochmal eine festgelegte Zeit in unserer Mitte verweilt.

 

Kerstin: Diese Gedenkfeier findet zweimal im Jahr statt. Dazu werden die Angehörigen aller verstorbener im Zeitraum eingeladen. Die Baumscheiben können natürlich auch mitgenommen werden um am persönlichen Lieblingsort zu verweilen. Es gibt Baumscheiben die nun schon in der Ostsee sind oder auf einem besonderen Berg.

Die Baumscheiben im Hospiz am Wandlitzer See, Bildnachweis: Christian Weische

WPunkt: Vielen Dank für diese Einblicke! Es gibt sicher noch viele Geschichten zu erzählen.

 

Ein Ort der Spuren hinterlässt. Die Arbeit im Hospiz fordert viel Einfühlungsvermögen. Trauer gehört dazu- ebenso wie Dankbarkeit, Nähe und viele wertvolle Begegnungen. Wer hier arbeitet, erlebt täglich, wie wichtig Aufmerksamkeit, Respekt und Zeit füreinander sind. Vielleicht beschreibt deshalb das Zitat einer Gästin im Hospiz diesen Ort sehr gut:

 

„Ich fühle mich hier nicht wie eine Sterbende. Sondern so, als wolle man mir ein ganz langes Leben ermöglichen“.

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