Vereinsheim mit integrierter Kegelbahn in Klosterfelde: was ist da los?
Laut dem Planungsbüro Voigt liegt schon seit April 2025 eine Baugenehmigung vor, aber der Auftraggeber SG Union Klosterfelde hat noch nichts unternommen? Es gibt sogar Gerüchte, dass eine neue Planung beauftragt wurde. Was ist der Stand des Planungsverfahrens? WPunkt hat dazu Gespräche mit dem Planungsbüro Voigt, dem Vereinsvorsitzenden von Union Klosterfelde und weiteren Beteiligten geführt.
„Wir sind ratlos, seit April 2025 liegt dem Bauherrn und uns die Baugenehmigung zum Vereinshaus mit wettkampftauglicher Kegelbahn für SG Union Klosterfelde vor“ erklärt Sabrina Voigt Inhaberin Bauingenieure Voigt in Bernau, „aber wir hören nichts vom Auftraggeber, dem Fußballverein SG Union Klosterfelde. Auch unsere Rechnung wurde bisher nicht beglichen.“

Von Beginn an – Beauftragung der Planung inklusive Kegelbahn
Das Planungsbüro Voigt hatte für Union Klosterfelde bereits die Statik der Tribünenüberdachung bearbeitet, man kannte sich also, als es 2023 zu den ersten Überlegungen für ein Vereinsheim kam. Was überschaubar und klein begann, wurde insbesondere durch den sogenannten Kegelgipfel dann erweitert und entsprechend groß.
Um das neue Vereinsheim mit einer Kegelbahn als Lärmschutzriegel am Sportplatz zu errichten, wurde ein Gebietstausch zwischen Gemeinde und einem Investor genehmigt, und dem SG Union Klosterfelde Erbbaurecht eingeräumt. Um neues Baurecht zu schaffen, musste ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Alles wurde in der Gemeindevertretung beschlossen (WPunkt berichtete).
Bevor die Planung des Büros eingereicht wurde, gab es sogar eine Mitgliederversammlung des SG Klosterfelde, auf der die Planung vorgestellt und beschlossen wurde.
„Natürlich gab es bei dem Bauantragsverfahren Verzögerungen, es gab viele Absprachen auch mit den Keglern, denn die Kegelbahn sollte ja wettkampftauglich sein. Sowohl die Zuständigen in der Gemeindeverwaltung als auch Frau Wiese, die für das Bauamt in Eberswalde zuständige Bearbeiterin, waren immer hilfreich und haben uns unterstützt. Durch die Anmerkungen der Träger öffentlicher Belange musste dann allerdings noch eine weitere behindertengerechte Toilette geplant werden“, erläutert Sabrina Voigt und ergänzt, dass es aufgrund der fehlenden Zuarbeit aus dem Verein dann noch zu weiteren Verzögerungen beim Brandschutzgutachten kam. Zu guter Letzt fehlte wegen des Erbbaurechts noch eine Unterschrift der Gemeinde, aber seit April 2025 liegt dem zuständigen Planungsbüro Voigt in Bernau als auch dem Bauherrn eine Baugenehmigung für das Vereinsheim vor.
Der Bau ist gestaffelt 3-stöckig, im Erdgeschoss die Mannschaftsräume, ein Besprechungsraum und die Gaststätte, im ersten Obergeschoss vier wettkampfgerechte Kegelbahnen mit entsprechenden Umkleiden und sanitären Einrichtungen für die Kegelvereine aus Klosterfelde und Wandlitz, die sich zu dieser gemeinsamen Lösung durchgerungen haben. Im Dachgeschoss ist eine Hausmeisterwohnung untergebracht und es besteht Raum, der für Fitnesseinrichtungen oder zu Repräsentationszwecken ausgebaut werden kann, sogar mit Terrasse.
Schwierigkeiten im Verfahren der Finanzierung
Ich sitze mit der ganzen Familie Voigt im Planungsbüro am Tisch, um den Fall zu besprechen. „Wir sind schon ein bisschen fassungslos, in meiner über 30-jährigen Laufbahn ist uns so etwas noch nicht passiert!“ beschreibt Jens-Torsten Voigt, Firmengründer Bauingenieure Voigt, die Lage. Er hat 2025 das Planungsbüro an Tochter Sabrina übergeben. „Getreu unserem Motto: „Bauen mit Vertrauen“ habe ich den Planungsauftrag per Handschlag mit dem Vorsitzenden Rolf Weinhold besiegelt. Nach HOAI sind bis Leistungsverzeichnis und Ausschreibung abrechenbare Kosten von rund 250.000€ entstanden, aufgrund der Verbundenheit zum Standort Wandlitz wurde allerdings ein deutlich geringerer Betrag in Rechnung gestellt. Dieser Betrag wurde uns nie erstattet, und obwohl wir klärende Gespräche bis zur Mediation durchgeführt haben, warten wir immer noch auf eine Reaktion seitens Union Klosterfelde.“ Sabrina Voigt ergänzt: „Jetzt gibt es sogar das Gerücht einer neuen Planung, für eine neue Baugenehmigung müsste aber ja erst einmal die existierende Baugenehmigung zurückgenommen werden und wir wissen von nichts“.
Einfach sind die Umstände der Finanzierung des Vereinshauses mit der Kegelbahn nicht. Alles begann noch unter dem ehemaligen Kämmerer der Gemeinde Christian Braungard. Wie für die Sportförderung von gemeinnützigen Vereinen üblich, stellt die Gemeinde Wandlitz Mittel zur Verfügung. Die Vereine stellen weitere Förderanträge z.B. beim Landes- oder Kreissportbund, beim LEADER-Programm, ggf. bei Aktion Mensch und steuern einen hohen Anteil in Form von Eigenleistungen bei.
So sollte es auch ursprünglich mit dem Vereinsheim der SG Union Klosterfelde ablaufen. Im vorliegenden Fall betrug die Förderung der Gemeinde 900.000€, aber anders als zuvor bestand der Rechnungshof darauf diese Mittel öffentlich auszuschrieben und nicht direkt an den Verein auszugeben.
Laut Planungsbüro Voigt belaufen sich die Gesamtkosten für das Vorhaben auf 3,5 Millionen Euro. Bei Ausführung nach dem Leistungsverzeichnis, d.h. bei Beauftragung nach Ausschreibung, wäre der Rohbau fertiggestellt worden. Dann hätte der Bau der Kegelbahn mit Vorrang betrieben werden können, bei geplanter Fertigstellung zum März 2026. Das findet nun nicht statt.

Gespräch mit dem Vorsitzenden der SG Union Klosterfelde, Rolf-Dieter Weinhold
„Wir haben ja alle Gewerke, allein drei Maurerbetriebe, hier in Klosterfelde und hätten bei einer freihändigen Vergabe mit diesem Geld sehr weit kommen können für das Vereinsheim mit Kegelbahn. Als Verein sind wir auf ehrenamtliche Leistungen und auf Sponsoring angewiesen und damit bisher sehr erfolgreich gewesen“ erläutert Vorstandsvorsitzender Rolf-Dieter Weinhold seine Arbeit für SG Union Klosterfelde seit 2016. „Was wir leisten können, haben wir 2019 bei der Einweihung unseres Kunstrasenplatzes bewiesen. Zusammen mit der neuen Flutlichtanlage haben wir mit 700.000€ Förderung einen Gesamtwert von 2,2 Millionen € geschaffen, unsere Mitglieder sind auf über 500 angestiegen, dazu gehören inzwischen auch die Klosterfelder Kegler. Auch unsere Sponsoren sind zahlreicher geworden.“
Noch bevor die Baumaßnahme Gestalt annahm, wurde bei einem Gespräch mit verschiedenen Beteiligten (dem sogenannten „Kegelgipfel“) aus dem politischen Raum infrage gestellt, ob der oben beschriebene Grundstückstausch zwischen Kommune und Investor wirklich zum beiderseitigen Vorteil abgelaufen sei. Die Kommunalaufsicht wurde zur Prüfung des Grundstückstausches am Sportplatz in Klosterfelde angerufen, der Tausch wurde dann allerdings nicht beanstandet. Doch daraufhin erklärte der Rechnungshof, dass die Bauleistungen, die durch die gemeindliche Förderung in Höhe von 900.000€ finanziert werden, öffentlich ausgeschrieben werden müssen. Damit platzte die ursprünglich geplante Realisierung des Bauvorhabens, weil die Kombination von Eigenleistungen und freihändiger Vergabe nicht mehr möglich war. Die Angebote allein nur für den Rohbau beliefen sich nun auf mehr als 900.000€.
Die Baugenehmigung zum „Vereinshaus mit wettkampftauglicher Kegelbahn für SG Union Klosterfelde“ wurde im April 2025 erteilt. „Ich bin mit Jens Voigt von Bauingenieure Voigt schon seit der Beauftragung der Statik für die Überdachung unserer Tribüne bekannt, und er arbeitete dann für das Vereinsheim mit Kegelbahn für uns. Es war von Beginn an klar, dass wir nicht nach HOAI abrechnen können und er gehörte damit auch zu unseren Sponsoren. Jens Voigt hat sein Gewerbe am 31.12. 2024 abgemeldet, ich hatte dann in 2025 viele Gespräch mit Frau Wiese von der zuständigen Baubehörde, bis die Genehmigung erfolgte.“
Welche Summe genau von Bauingenieure Voigt in Rechnung gestellt wurde und welches Angebot seitens SG Union Klosterfelde daraufhin erfolgte, soll nicht öffentlich werden, allerdings ist zwischen den Beteiligten seit einer Besprechung Ende 2025 noch keine Einigung erfolgt.

Wie geht es weiter, wie sieht die Zukunft für das Vereinsheim und die Kegler aus?
Auf dem „Kegelgipfel“ im Oktober 2025 wurde allen Teilnehmenden deutlich, dass die Planung eines 3-geschossigen Vereinsheims, wie oben beschrieben, nicht finanzierbar ist. Alternative Standorte für die Kegler wie z.B. Sporthalle Bogensee, Bambus Dreams in Schönwalde oder eine Mitnutzung in anderen Ortschaften wurden geprüft, aber als nicht umsetzbar verworfen.
Offenbar einigten sich die Kegler aus Wandlitz und Klosterfelde nun auf eine gemeinsam genutzte Kegelbahn in dem Vereinsheim von Union Klosterfelde. „Union Klosterfelde wollte gerne, dass die Wandlitzer Kegler in die Sportgemeinschaft eintreten, aber so einfach ist das nicht, wir sind ja als Verein für den aktiven Spielbetrieb mit vier Mannschaften gemeldet und haben das deshalb abgelehnt“, berichtet Jürgen Dietrich, Vorstand des Kegelsportvereins KSV Wandlitz, und ergänzt frustriert: „Unser langjähriger Jugendtrainer hat bereits das Handtuch geworfen. Der KSV Wandlitz war 2025 erfolgreich, sicherte sich beim Heimfinale den Vizelandesmeistertitel in der Landesliga und den deutschen Meistertitel bei den Damen. Die Wandlitzer Kegelbahn fiel dem Grundschulerweiterungsbau zum Opfer, und wenn die Klosterfelder Kegelbahn auch noch abgerissen wird, werden wir wohl nicht in die kommende Spielsaison starten können und müssen unsere fast 80-jährige Tradition beenden.“
Rolf-Dieter Weinhold beteuert aber: „Wir werden das Vereinsheim mit wettkampftauglicher Kegelbahn bauen! Wir haben ein Architekturbüro aus Oranienburg beauftragt, wir haben Förderanträge beim Landes- und Kreissportbund sowie bei der Europäischen Sportförderung gestellt. Mein Stellvertreter Jürgen Alscher hat sich da voll reingehängt und ist aktiv. Wir haben auch durch den Erbpachtvertrag auf 60 Jahre die Möglichkeit, eine Hypothek aufzunehmen, wir prüfen alles und bleiben dran.“
Etwas tut sich bereits auf dem Baugrundstück am Sportplatz in Klosterfelde. Obwohl es dem Investor seit dem 1.1.2026 möglich wäre, ist die alte Kegelbahn noch nicht abgerissen worden. Die genehmigten Baumfällungen wurden aber bereits durchgeführt, um sowohl auf dem Baugrundstück für die Wohnblöcke als auch für das Fundament des geplanten Vereinshauses mit Kegelbahn Platz zu schaffen.
Wie sehen die Finanzen aktuell aus – wird eine gütliche Lösung möglich sein?
Am 15.2. 2024 wurde auf der Gemeindevertreterversammlung mit Beschluss BV-GV/2023-0650 aus 4 vorgetragenen Varianten der Neubau einer Kegelbahn am Wandlitzer Bahnhof beschlossen und der Haushaltsplan HHPL 2024 mit der Ergänzung um 3,5 Millionen € für die Kegelbahn beschlossen. Im Haushaltsentwurf für 2026 finde ich unter der entsprechenden Kennziffer 3,3 Millionen € für den Bau einer Kegelbahn am Wandlitzer Bahnhof wieder.
Kann bei unserer angespannten Haushaltslage hier eine Kürzung drohen? Kann diese Investition umgewidmet werden für eine gemeinsame Kegelbahn im Vereinshaus von SG Union Klosterfelde? Das wird möglicherweise bald wieder auf der Tagesordnung zur Gemeindevertretung landen, abhängig davon, ob es SG Union Klosterfelde gelingt die beantragten Fördermittel einzuwerben oder nicht.
Eine Lösung für diese komplexe Gemengelage ist sicher nicht einfach, die unterschiedlichen Ideen für eine Umsiedelung des Wandlitzer Kegelvereins und die unübersichtliche Finanzierungslage machen es nicht einfacher. Ich bleibe aber zuversichtlich, dass mit gemeinsamer Anstrengung, einer gemeindlichen Unterstützung und dem Willen hier Konsens zu erzielen für alle Seiten eine annehmbare Lösung gefunden werden kann – nur wird es sicher noch etwas Zeit brauchen!

