Wie sieht die ärztliche Versorgung in der Gemeinde Wandlitz aus?
Oft werden lange Wartezeiten insbesondere bei Fachärzten beklagt, sind wir unterversorgt, öfter krank oder einfach zimperlich? WPunkt stellt die aktuelle Versorgungslage in der Gemeinde dar. Ein Lichtblick: demnächst wird es zwei neue medizinische Einrichtungen im Wandlitzer Dorfkern geben, eine davon ist eine gastroenterologische Praxis.
Die Verteilung von Kassenarztsitzen richtet sich im Wesentlichen nach der Einwohnerzahl und der spezifischen medizinischen Fachrichtung. Sie wird von einem Fachgremium in der Gesundheitsversorgung, dem Gemeinsamen Bundesausschuss, für ganz Deutschland festgelegt, ebenso wie das sogenannte Planungsgebiet. Bezogen auf die Regionen kann es noch leichte Modifikationen bis zur maßgeblichen regionalen Verhältniszahl geben.
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Brandenburg hat vier Planungsgebiete. Dabei gilt, je spezialisierter die medizinische Fachrichtung, desto größer das Planungsgebiet:
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- Planungsgebiet „Bernau“, einer von 46 Mittelbereichen in Brandenburg für Allgemeinmedizin
- Planungsgebiet „Barnim“, einer von 6 Landkreisen für z.B. Orthopädie, Urologie, Chirurgie, Dermatologie, Kinder-, Augen-, Nerven- und Frauenheilkunde und Psychotherapie
- Planungsgebiet „Uckermark-Barnim“, eine von 5 Raumordnungsregionen für z.B. Anästhesie, Innere Medizin mit fachlichen Schwerpunkten, Radiologie und Kinder- und Jugendpsychiatrie
- Planungsgebiet „Brandenburg“ für z.B. Humangenetik, Labormedizin, Neurochirurgie, Physikalisch-rehabilitative Medizin (PRM)-, Transfusions- und Nuklearmedizin, Pathologie oder Strahlentherapie im Planungsgebiet
Zahnärzte sind von gesetzlichen Zulassungsbedingungen ausgenommen, sie können sich also überall niederlassen.
Beispiele:
„Für die Stadt Potsdam gilt beispielsweise, dass ein Hausarzt 1.697 Menschen versorgen soll; der Augenarzt hingegen 13.823 Einwohner.“ (Quelle)
„In der rechnerischen Bedarfsplanung geht man demnach davon aus, dass ein ambulanter Psychotherapeut mit vollem Versorgungsauftrag – also einem ganzen Kassensitz – 3.163 EinÂwohÂneÂr:inÂnen versorgen kann“. (Quelle)

Detailbetrachtungen anhand der psychotherapeutischen Versorgung
Gerade Psychotherapeuten nutzen i.d.R. nur einen halben Kassensitz. Zwei Therapeuten mit halben Sitz versorgen damit aber oft mehr Patient:innen, als für einen ganzen Kassensitz angesetzt sind und konnten das bisher auch abrechnen, weil ihr Honorar nicht budgetiert, d.h. nicht begrenzt war. Rein rechnerisch entspräche das einer Überversorgung.
Das neue Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht für Psychotherapeuten eine Deckelung des Honorars vor; dies bedeutet indirekt eine Beschränkung der Anzahl zu behandelnder Patient:innen. Das wird negative Auswirkungen mit sichbringen, denn ein halber Kassenarztsitz bedeutet meist 18 Therapiesitzungen in der Woche. Derzeit absolvieren die meisten Therapeuten aber bis zu 25 Sitzungen. Nach der neuen Deckelung/ Budgetierung wären diese sieben zusätzlichen Sitzungen nicht mehr abrechenbar.
Die Bedarfsplanung für die Psychotherapeuten basiert auf Werten aus 1999 und spiegelte den Ist-Iustand wider. Die Zahl der psychisch Erkrankten ist seitdem stark gestiegen, insbesondere durch die Pandemie oder Belastungen am Arbeitsplatz und Existenzängste. Trotz aktuell rechnerischer Voll- bis Überversorgung kommt es daher zu langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz, nicht nur auf dem Land, sondern auch im sehr gut mit Psychotherapeuten ausgestatteten Berlin. Viele Psychotherapeuten mit Privatpraxis sind ebenfalls ausgebucht.
Status-Quo in der Gemeinde: offene Sitze für Allgemein-, Frauen-, Kinder- und Jugendmedizin und Zahnmedizin
Von offenen Kassenarztsitzen spricht man, wenn die Bedarfsplanungsvorgabe (Verhältniszahl) zu weniger als 110% erfüllt ist. Wie sieht es damit in der Gemeinde Wandlitz aus? Dazu sagt die Statistik der KV Brandenburg vom 30.6.2026 konkret nichts, da die Gemeinde Wandlitz kein eigenständiger Planungsbereich ist:
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- für den kleinsten Planungsbereich „Bernau“ findet man eine Aussage. Der Planungsbereich umfasst die Gemeinden Wandlitz, Ahrensfelde, Panketal, Werneuchen und die Stadt Bernau. Hier werden unbesetzte Kassenarztsitze für Allgemeinmedizin ausgewiesen. Der Versorgungsgrad für Hausärzte liegt hier bei 94,9%.
- ebenfalls offen im nächstgrößeren Planungsbereich „Barnim“ sind Frauenheilkunde (Versorgungsgrad 102,1%) und Kinder- und Jugendmedizin (Versorgungsgrad 108%)
- sowie im Planungsbereich „Brandenburg“ Nuklearmedizin (Versorgungsgrad 73,2%) und Physikalische und Rehabilitationsmedizin (Versorgungsgrad 94,4%).
- Der Versorgungsgrad für Zahnärzte liegt im Barnim bei 76%, es gibt keine Niederlassungsbeschränkungen.

In unserer Gemeinde gibt es zur Zeit 36 Praxen von Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), davon 4 Privatpraxen. Teilweise handelt es sich um Gemeinschaftspraxen. Wie oben bereits erwähnt, haben die in der Gemeinde Wandlitz ansässigen sechs Psychotherapeut:innen in der Regel einen halben Kassenarztsitz.
Man könnte daher meinen, wir seien gut versorgt, aber auch hier wird geklagt, dass man lange auf einen Behandlungstermin warten müsse. Sind wir also zu zimperlich geworden und rennen zu schnell zu den dann überlaufenen Ärzten oder basieren die Bedarfszahlen der KV Brandenburg auf zu alten Werten, die die veränderten gesellschaftlichen Bedarfe nicht abbilden?
Das Dilemma wird an den drei folgenden Beispielen deutlich:
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- unsere Gesellschaft altert, wir werden mehr medizinische Versorgung benötigen, es sind also mehr Hausärzte notwendig. Hier fehlt es aber schon heute an entsprechenden Fachkräften.
- die psychotherapeutische Versorgung ist stark nachgefragt. Existenzängste, Arbeits- und Schulstress, Umweltstress steigen offenbar sogar bereits bei Kindern und Jugendlichen, es werden also mehr Psychotherapeuten benötigt. Hier wird aktuell durch das Beitragssatzstabilisierungsgesetz deren Honorar begrenzt bzw. Einkommen gekürzt.
- Die Geburtenraten sind bundesweit stark eingebrochen, die Zulassungen für einen Kinderarzt basieren auf 2.862 zu versorgende Minderjährige, im realem Bundesdurchschnitt sind es derzeit nur 1.260 Minderjährige, die durch einen Kinderarzt versorgt werden müssen. Das heißt, hier liegt eine rechnerische Überversorgung vor. Auf derzeitiger Basis würden Neuberechnungen der KV zu weniger Zulassungen von Kinderärzt:innen führen.
Die Verhältniszahlen müssten also an mehreren Stellen an veränderte, gesellschaftliche Bedarfe angepasst werden.
Kommunalpolitisch lässt sich das nicht lösen, wir können uns als Gemeinde allenfalls attraktiv machen, damit Kassenärzt:innen in den offenen Fachgebieten oder Privatpraxen sich gerade hier (und nicht anderswo im Planungsgebiet „Bernau“ bzw. „Barnim“) ansiedeln. Die große Lösung kann aber nur durch die Bundespolitik mit den gesetzlichen Krankenversicherungen und kassenärztlichen Vereinigungen erzielt werden – die aktuellen Entwicklungen gehen allerdings in eine andere Richtung, wie das Beitragssatzstabilisierungsgesetz zeigt.
Demnächst im Wandlitzer Dorfkern zwei neue medizinische Einrichtungen
In der Karl-Liebknecht-Str. soll noch dieses Jahr Richtfest sein: Bauherr und Mediziner Dr. med. Michael Mroß, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, wird seine Praxis dort im April 2027 eröffnen. WPunkt fragte ihn, was seine Beweggründe sind:
„Ich hatte eine kassenärztliche und eine Privatpraxis in Berlin, außerdem leitete ich das Zentrum für chronische Darmerkrankungen. Arbeitszeiten von 70 Stunden in der Woche waren da normal, aber auch nicht auf die Dauer förderlich. Wir wohnen seit 2018 in Stolzenhagen und hatten vor einigen Jahren das Grundstück erworben. Hier wird meine Privatpraxis für Gastroenterologie entstehen, und Raum für eine weitere medizinische Einrichtung sowie zwei Wohnungen (kleiner 100m² und mit guter Ausstattung). Wir haben schon jetzt Anrufe von interessierten Mieter:innen erhalten. Der Bedarf für die Wohnungen und sicher auch für die Innere Medizin und Gastroenterologie ist gegeben.
Der Bau war natürlich herausfordernd, z.B. sollten nach der gemeindlichen Stellplatzsatzung 15 Parkplätze errichtet werden, obwohl ich eine Bestellpraxis betreiben werde. Da blieb nicht viel Grünes ums Haus. Zum Glück konnten die Stellplätze auf 12 (davon zwei behindertengerechte) reduziert werden, und wir werden diese mit 100% versickerungsfähigen Belägen aus einem speziellem granulierten Substrat erstellen und mit Rasen begrünen.“

