„Erneuerbare Energien lösen uns von Abhängigkeiten. Erneuerbare Energien sind deshalb Freiheitsenergien!“
Das Zitat stammt vom ehemaligen Finanzminister Christian Lindner (FDP, 2022), der ja nicht gerade im Verdacht steht, ein Grüner zu sein.
Der aktuelle Angriff der USA und Israels auf den Iran führte zur Blockade der Straße von Hormus- und damit entfallen 20% der Öltransporte mit Tankern. Das führt zu steigenden Preisen für fossile Energien wie Öl und Gas, was an der Tankstelle unmittelbar zu spüren ist.
Auch unabhängig von dieser Situation werden die Preise für Öl und Gas steigen. Wenn diese Stoffe beim Heizen oder im Automotor verbrannt werden, entsteht Kohlendioxid CO₂. Dieses führt in der Erdatmosphäre zum Treibhauseffekt, also zur Erderwärmung und Klimawandel. Deshalb haben sowohl Bundesregierung als auch die Europäische Union EU einen Mechanismus eingeführt, der zu steigenden Preisen für den CO₂- Ausstoß führt und so fossile Kraftstoffe jedes Jahr teurer macht. Die Einnahmen aus der CO₂- Bepreisung fließen vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). Dieser finanziert Entlastungsmaßnahmen für Haushalte und Unternehmen, die den Umstieg auf klimafreundliche Technologien wie z.B. Wärmepumpen und Elektromobilität unterstützen sollen.
Siehe folgende Grafik des BMWEÂ

Der Regierungsentwurf des neuen „Gebäudemodernisierungsgesetz“ will zwar Wärmepumpen weiter fördern, setzt aber für das Heizen auf fossiles Öl und Gas mit Beimischung von „Bioenergie“. Ins Erdgasnetz sollen Biogas oder grüner Wasserstoff beigemischt werden. Die Verfügbarkeit von Methan aus Biogasanlagen ist aber sehr begrenzt (aktuell 1,6% des Gasverbrauchs insgesamt), die von grünem Wasserstoff erst recht. Denn dieser Wasserstoff muss mit Strom aus erneuerbaren Quellen (Wind- und Wasserkraft, Photovoltaik PV) erzeugt werden, wobei rund zwei Energieeinheiten Strom für die Erzeugung von einer Energieeinheit Wasserstoff benötigt werden. Der ist in jedem Fall zum Heizen viel zu teuer, solange nicht erneuerbarer Strom im Überfluss vorhanden ist.
Sie werden sich fragen: warum wird nicht der abgeregelte Strom aus Windkraft und PV für die Wasserstoffproduktion verwendet? Erstens sind das „nur“ 3,5% der Stromproduktion der Erneuerbaren, und zweitens wird nicht etwa abgeregelt, weil erneuerbarer Strom im Überfluss produziert wird, sondern weil das Stromnetz nicht genügend Kapazität hat und große Kohle- und Atomkraftwerke nicht schnell genug auf Schwankungen bei der Produktion der Erneuerbaren reagieren können (dafür braucht man moderne Gaskraftwerke, die optimalerweise mit grünem Wasserstoff betrieben werden).
Es ist längst klar, dass Wärmepumpen, die übrigens aus einer Energieeinheit Strom bis zu vier Energieeinheiten Heizenergie machen und mit grünem Strom betrieben werden können, in den meisten Fällen das Gebot der Stunde sind. Im vergangenen Jahr wurden rund 300.000 Heizungs-Wärmepumpen verkauft, eine Steigerung um 55% zum Vorjahr!
Um mehr grünen Strom zu erzeugen, brauchen wir den weiteren Ausbau von Windkraft und PV- Anlagen. Große Flächen-PV und Windkraft an Land sind die aktuell preiswertesten Arten der Stromerzeugung!
Bisher haben wir einen Anteil von 60% Erneuerbaren bei der Stromerzeugung, aber am Gesamtenergiebedarf (dazu gehören eben auch Öl, Gas und Benzin) sind es erst 20%!

Bioenergie: woher soll sie in unserer Gemeinde kommen?
Wenn wir mit Biogas heizen wollen oder grüner Strom aus Biogas erzeugt werden soll, muss man Mais oder andere Energiepflanzen anbauen.
Flächen für die Energieerzeugung wurden in unserer Gemeinde in Stolzenhagen und Zerpenschleuse ausgemacht, wo sich auch prompt Widerstand dagegen regt. Aber vielleicht sollte man einmal folgendes bedenken:
Auf diesen Flächen kann man zur Energieerzeugung Mais, Raps oder ähnliches anbauen. Alternativ könnte mit PV- Anlagen auf der gleichen Fläche 40-mal mehr Energie erzeugt werden, d.h. PV ist rund 40-mal flächeneffizienter. Aber nicht nur das: von Gegnern der Flächen-PV wird gerne übersehen, dass der intensive, großflächige und einseitige Anbau von Energiepflanzen durch den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln, Bioziden und Dünger die Artenvielfalt gefährdet. Gleichzeitig besteht bei der intensiven Beackerung durch einjährige Kulturen die Gefahr, dass Boden abgetragen wird und so die oberen, fruchtbaren Humusschichten verloren gehen. Und auch der hohe Wasserbedarf von Energiepflanzen wie Mais kann im trockenen Barnim ein Nachteil sein.
Übrigens verbessern nicht nur die Wärmepumpen die Nutzung der Energie. Auch Elektrofahrzeuge haben wesentlich bessere Wirkungsgrade als Verbrenner. Letztere können zwischen 25 und 40% der eingesetzten Energie nutzen, während E- Autos auf 90% kommen.
Heraus aus der Energieabhängigkeit durch Freiheitsenergien!
Wenn wir uns also aus Abhängigkeiten von Energielieferanten befreien wollen, egal ob es Russland, die Golfstaaten oder die USA sind, und dem Klimawandel entgegenwirken wollen, müssen wir auf die Produktion von grünem Strom, am besten vor Ort, setzen. Das scheint unsere Bundesregierung (noch) nicht verstanden zu haben. Die Wirtschaftsministerin Katharina Reiche will nicht nur den Wegfall von Subventionen für kleine private PV- Dachanlagen und die Kosten für den Netzausbau auf die Betreiber von Windkraft- und Flächen- PV-Anlagen abwälzen. Sie riskiert auch das Aus für die zurzeit führenden deutschen Wärmepumpenhersteller, während China schon eine Offensive auf diesem Gebiet plant.
