Leben im Tiny House
Die Wandlitzerin Kirsten lebt seit vier Jahren im Tiny House und ist glücklich auf 27m² mit ganz viel Natur drumherum. WPunkt spricht mit ihr über ihre Erfahrungen und das Leben auf begrenztem Raum.

WPunkt: Wir sitzen hier auf deiner Terrasse vorm Tiny House, wie kam es zu der Entscheidung hier so zu wohnen?
Kirsten: Ich hatte schon in Berlin eine kleine Wohnung und brauche nicht so sehr viele Sachen um mich herum. Ich bin kein Materialist. Besitz bindet und macht unfrei, oft sogar unglücklich!
Ich bin Oberstufenlehrerin, war vorübergehend unzufrieden an meiner alten Schule und hatte meine Pferde nördlich von Berlin zu stehen, ich kannte also schon die Gegend und liebe den Liebnitzsee.
Ein Bekannter brachte mich auf die Idee, mich beruflich in Richtung Wandlitz zu bewerben.
Ich sprach mit meinem Bruder darüber und dachte, wohnen in Wandlitz in der Nähe der Seen sei unbezahlbar. Mein Bruder machte zwei Klicks im Internet und dann war da dieses Grundstück mit der wunderschönen Kiefer und einer kleinen gelben Datsche. Und schon war es um mich geschehen. Und es war preislich damals alles noch im Rahmen und machbar. Insbesondere der Baum hatte es mir angetan und auch heute ist mein Lieblingsplatz auf einem Findling unter der Kiefer. Die Datsche wollte ich eigentlich herrichten, aber es war Pilz im Gemäuer und ich konnte nur noch abreißen und mich nach einer Alternative umsehen.
Die Alternative war dann ein Tiny House von Christian Koopmann, einem Tischlermeister aus dem Oldenburger Münsterland, der sich auf Tiny Houses spezialisiert hat und den ich jederzeit bedenkenlos weiterempfehlen würde.
Auf dem Weg zum Weihnachtsbesuch ins heimische Münsterland haben mein Sohn und ich schließlich einen Abstecher zu Christian gemacht und uns einige Modelle seiner Tiny Houses anschauen dürfen. Sie waren schmaler, für den Transport mit dem Auto gebaut, doch wunderschön. Mein Häuschen haben wir dann gemeinsam mit der Architektin an meine persönlichen Ansprüche angepasst. Und dann ging es schon los.


Wpunkt: Was ist das Besondere an dem Leben hier im Tiny House und wie ist es im Winter?
Kirsten: Das Besondere ist, dass ich mich noch nie irgendwo so zuhause gefühlt habe wie in diesem Häuschen. Ich habe das gemütlichste Nest der Welt mitten in der Natur, ein kleines Bad, eine Galerie zum Schlafen und einen gemütlichen Wohnbereich mit Couch für Gäste, Küchenzeile mit Kühlschrank und Waschmaschine und einem Backofen unter der Treppe. Stauraum hab ich auch auf einer Empore. Alles auf 27m² plus Schlafebene unterm Dach, die ich über diese funktionale Treppe erreiche. Nur für einen Geschirrspüler war kein Platz mehr, den hatte ich aber eh nie – Energieverschwendung, es gibt ja Hände. Für mich alleine reicht das alles, ich bin aber auch sehr pragmatisch, liebe es bunt und habe nicht allzu viel Kram, natürlich einige Bücher, Erinnerungen und Geschenke, die mir lieb und teuer sind.
Sogar mein Patensohn aus Uganda hat schon drei Wochen auf der Gästecouch übernachtet und fand es super! Aus jedem Fenster sieht man gleich meinen verwunschenen Garten und die hohen Kiefern drumherum. Ich sammle Kräuter und lebe hier sehr naturverbunden und gesund. Mit dem Rad zum Baden oder Einkaufen ist kein Problem. Natürlich besuche ich meinen Sohn häufig, der sich in unserer kleinen Wohnung in Berlin verdächtig ausgebreitet hat. Meistens bin ich aber hier in Wandlitz.
Der Winter ist gar kein Problem, das Haus hat eine Infrarot-Fußbodenheizung, am Liebsten mache ich jedoch Feuer aus Kaminholz (Niemals Kohle! Pfui!) in meinem Kaminofen, der sehr sparsam und energieeffizient für eine angenehme Wärme sorgt. Der Schornstein musste nach Auflagen der Behörde etwas verlängert werden, aber das hat Christian Koopmann problemlos übernommen und noch einige kleine Anpassungen.
Mit dem Hersteller bin ich insgesamt super zufrieden: tolle, sehr transparente bzw. ehrliche Betreuung und Anfertigung nach meinen Vorstellungen.
Wpunkt: Du warst gerade im Tierheim, kümmerst du dich hier um die wilden Katzen?
Kirsten: Ich lebe hier wirklich sehr in der Natur und mit der Natur. Und ja, es sind über zwanzig wilde Katzen, die ich füttere und versorge seitdem ich hier bin. Sie leben im Garten, nicht im Haus. Das sehen sie manchmal anders, aber da bin ich konsequent. Damals war noch keine von ihnen kastriert, sie vermehrten sich ständig. Heute, nach vier Jahren haben wir die letzte sehr scheue Mutterkatze in meinem Kiez gefangen, jetzt sind alle kastriert. Die Katzen sind inzwischen an mich gewöhnt und lassen sich streicheln und meist auch medizinisch versorgen, aber kürzlich kam es dabei doch zu einem kleinen Biss, den ich im Krankenhaus versorgen lassen musste und leider muss ich jetzt Antibiotika nehmen. Es war meine Schuld, ich war zu voreilig.
Und dennoch beschützen sie mich. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, sitzen sie wie die Pilze auf meinem Grundstück und warten auf mich. Wenn ich im Garten arbeite oder sitze, legen sie sich zu mir. Einsamkeit kenne ich nicht. Hier ist immer was los.
Die Katzen bringe ich im Krankheitsfall ins Tierheim Ladeburg, die Tierärzte und Pfleger dort sind sehr nett und kompetent und übernehmen auch die Kosten der Kastration oder für die Versorgung von Verletzungen. Das Futter zahle ich aus eigener Tasche. Das kommt natürlich auch den Igeln und Elstern hier zu Gute. Es lebe die Diversität – wir sind sozusagen eine speziesübergreifende WG.



Wpunkt: Gab es für dich Überraschungen bei der Aufstellung von deinem Tiny House?
Kirsten: Es hat alles mit dem Häuschen super geklappt, aufregend war eigentlich nur der Transport, denn das Tiny House wurde komplett in Christians Montagehalle im Oldenburger Münsterland und sollte dann mit einem Schwerlasttransport hier angeliefert werden.
Für den Transport hatte das entsprechende Amt allerdings eine Route genehmigt, die über einen unbefestigten, zugewucherten Weg mit 30cm tiefen Schlaglöchern führen sollte – etwas ungünstig für einen Schwertransport mit einer Gesamthöhe von 4,5m. Nach einem abgebrochenen Versuch hat das dann auch die uns begleitende Polizei eingesehen. Leider war damit erst einmal mein Haus nicht auf meinem Grundstück gelandet, obwohl ich schon alle Nachbarn informiert und gebeten hatte, die Autos von der Straße zu nehmen.
Mein Sohn und ich haben dann drei Tage auf einem Parkplatz an der B273 geschlafen, immerhin in meinem eigenen Tiny House, allerdings auf einem Schwerlasttransporter. Das war ungünstig, aber auch ziemlich lustig. Den sehr netten Fahrer habe ich täglich zum Duschen ins Strandbad gefahren, mein Sohn hielt Wache. Wir konnten das Haus nicht alleine dort stehen lassen. There is no light without darkness – die kleinen Schatten müssen eben auch sein. Die Kranfirma war super lieb. Sie sind zweimal mit dem riesigen Kran und einem extra Schwertransport für die Gewichte aus Berlin angerückt und haben trotzdem keine Extrakosten berechnet.
Letztendlich war es eine sehr aufregende und schöne Zeit, an die ich mich gerne zurück erinnere. Insgesamt bin ich sehr dankbar, hier leben zu dürfen. Ich betrachte es als großes Geschenk! Ich fühle mich hier nach wie vor sehr wohl und habe nun schon vier Jahre Erfahrung und Freude am Wohnen im Tiny House bei Wind und Wetter.




