Die Buchhändlerin Melanie Brauchler und die Bücher in Wandlitz:
Von der „Wandlitzer Bücherstube“ zum Büchercafé in Wandlitz. „Kieck in“ mit Musik am 2. August!
Sie war weit mehr als nur eine Verkaufsstelle für gedrucktes Papier: Die „Wandlitzer Bücherstube“ am historischen Bahnhof Wandlitzsee war über Jahre hinweg ein liebevoll geführter Treffpunkt für Literaturliebhaber, ein Ort des Austausches und der persönlichen Begegnung.
Dass die Nachricht über die Schließung des Geschäfts viele Wandlitzer schmerzlich berührte, ist kein Wunder – schließlich wurde die Bücherstube kurz vor ihrem Ende sogar noch mit dem renommierten Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet.
​Doch gestiegene Fixkosten, eine spürbar zurückgegangene Laufkundschaft und die allgemeinen wirtschaftlichen Herausforderungen zwangen Inhaberin Melanie Brauchler schließlich zu diesem schweren Schritt. Wo früher Bücherregale zum Stöbern einluden, dehnt sich mittlerweile das benachbarte Restaurant „Mister Dinh“ aus.
​Eine Reise als Atempause, Inspiration und Gewissheit
​
Wer Melanie Brauchler kennt, weiß jedoch, dass das Ende der Bücherstube nicht das Ende ihrer Leidenschaft für die Literatur bedeutete.
Bevor das nächste Kapitel aufgeschlagen wird, stand erst einmal eine wohlverdiente Auszeit auf dem Plan: Gemeinsam mit ihrem treuen Hund Snoopy reiste sie durch die wilden, inspirierenden Landschaften Schottlands.
​Diese Reise war nicht nur eine Atempause, sondern auch eine intensive Recherche: „Ich habe auf der Reise jede Buchhandlung, die mir vor die Räder kam, besucht und mit den Inhabern über ihre Konzepte gesprochen“, erzählt Melanie Brauchler. Die wichtigste Erkenntnis war dabei persönlicher Natur: „Melanie ohne Buchhandlung ist für mich einfach unvorstellbar. In jeder Buchhandlung ist die Sehnsucht nach einem eigenen Laden größer geworden. Ich gehöre dort hin.“
Ein großzügiges Angebot ermöglicht das Büchercafé
​Der Anstoß für den Neuanfang kam aus der Wandlitzer Gemeinschaft selbst. Fast zeitgleich mit der Absage der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) bezüglich des Zugcafés trat die Familie Rothe an Melanie Brauchler heran. Sie boten ihr an, einen Blick in das ehemalige Wohnhaus ihrer Eltern zu werfen – mit dem Gedanken, ob sich daraus nicht eine neue Buchhandlung machen ließe.
​Schon bei der ersten Besichtigung wurde klar: Dieses Haus bietet weit mehr als nur ein neues Dach über dem Kopf. Der Aufbau und die Größe der Räume haben das Potenzial für etwas völlig Neues, Größeres – genau das, was es für einen echten, wirtschaftlich tragfähigen Neuanfang braucht. Denn die Erfahrungen der Branche zeigen: Reine Buchhandlungen haben es schwer. Um die Kosten zu decken, muss der Gewinn über Veranstaltungen, Nebenprodukte und Gastronomie erwirtschaftet werden. Im alten Laden war das räumlich unmöglich – im neuen Haus wird es das Herzstück des Konzepts.

Ein Haus voller Leben: Café, Bücher und Begegnungen
​Das neue Konzept verspricht, ein echter lebendiger Treffpunkt für den Ort zu werden: ​Die untere Etage und der Außenbereich: Hier entsteht ein gemütliches Café, das auch für private Feiern gemietet werden kann. Es soll ein echter Begegnungsort werden – mit regelmäßigen Veranstaltungen wie Spieleabenden, Handarbeitstreffs, Lesungen, Konzerten und Kneipenquiz-Runden. Für das erste Jahr haben bereits hochkarätige Künstler fest zugesagt, die auf ihre Gage verzichten, um das Projekt als Anschubhilfe zu unterstützen.
Langfristig hofft Melanie Brauchler zudem auf die Unterstützung von Fördervereinen und Fördertöpfen für die Künstlerentlohnung.
​Die obere Etage: Hier zieht die eigentliche Buchhandlung in zwei liebevoll gestalteten Räumen ein. Auch die beliebten Kinderlesungen werden hier wieder ein festes Zuhause finden.
​Damit sich das Haus trägt, muss das Café ein Erfolg werden. Melanie Brauchler plant deshalb schon jetzt über die Ortsgrenzen hinaus: Kooperationen mit Fahrradverbänden sollen das neue Domizil als attraktives Ausflugsziel für Touristen und Ausflügler etablieren.
Unterstützt wird sie dabei von einem engagierten Team aus bekannten und neuen Gesichtern sowie vielen ehrenamtlichen Helfern.
​Gemeinsam den Charme der 20er Jahre wecken
​Bevor sich die Türen öffnen können, wartet allerdings noch einiges an Arbeit. Das Haus aus den 1920er-Jahren ist sehr gepflegt. Um den charmanten Altbau fit für die Zukunft zu machen, läuft aktuell eine Crowdfunding-Aktion. Das gesammelte Geld fließt direkt in den Um- und Ausbau: Eine professionelle Küche samt Profi-Kaffeemaschine muss eingebaut und neues Mobiliar angeschafft werden. Die größte bauliche Nuss, die es derzeit zusammen mit einem Wandlitzer Architekten zu knacken gilt, ist die Umsetzung des barrierefreien Zugangs und der Toiletten.
​Trotz der großen Aufgaben blickt Melanie Brauchler voller Vorfreude auf das Projekt: „Ich sehe das Ergebnis schon vor mir. Das wird verdammt super!“ Die riesige Unterstützung aus der Bevölkerung berührt sie tief: „Ich bin den vielen Spendern unheimlich dankbar und fühle mich bestätigt auf meiner Mission, einen Ort zu schaffen, an dem man in Zukunft wieder einfach sein kann und sich geborgen fühlt. Familie Rothe hatte die Idee, ich die Vision – und zusammen kriegen wir das hin!“


Einladung zum „Kieck in“ mit Musik am 2. August
​Wer neugierig geworden ist und sich selbst ein Bild von dem Projekt machen möchte, hat dazu bald die perfekte Gelegenheit: Am Sonntag, den 2. August, öffnet das Haus von 10:00 bis 16:00 Uhr seine Türen für ein ganz besonderes Kennenlernen. Unter dem einladenden Motto „Kieck in“ mit Musik sind alle Nachbarn, Unterstützer und Interessierten herzlich willkommen.
​Die Idee dahinter
Die Besucher können das Gebäude noch einmal in seinem charmanten Ursprungszustand erleben. So wird hautnah greifbar, was im Zuge der Crowdfunding-Aktion alles umgestaltet werden soll und wo die Reise hingeht.
Für das leibliche Wohl mit Essen und Trinken sowie für die passende musikalische Begleitung ist natürlich bestens gesorgt – die perfekte Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen und die Zukunft dieses neuen Wandlitzer Begegnungsortes gemeinsam einzuläuten.

Verfasser:in:
Marco Scafaro
